REFlection: Die Neuentdeckung der Stephanie Stremler



fotografiert von Jeanne Degraa

Ein Neujahrstag in Berlin im Jahre 2013. Ein Traum von mir geht in Erfüllung: Stephanie Stremler lässt sich auf ein Treffen mit mir ein. Am kommenden Donnerstag startet bundesweit der Film „Staub auf unseren Herzen“, in dem sie in ihrer ersten Kinohauptrolle begeistert und bereits im Vorfeld von zahlreichen Seiten großes Lob einheimste.

Durch Zufall stieß ich auf einen ersten Trailer des Films – und kam aus einem Gefühlsbad zwischen Lachen, Staunen, Bewegtheit und Bewunderung nicht mehr so ohne weiteres heraus. Nach dem Trubel um „Die Spielwütigen“ (2004) war es ruhig geworden um sie. Bereits damals schrieb ihr „Herzen“-Regisseurin Hanna Doose eine kleine Rolle auf den Leib. Rückblickend eine wichtige Vorarbeit.

Nach ihrer Ausbildung an der renommierten Schauspielschule „Ernst Busch“ spielt sie wichtige Rollen am Kasseler Staatstheater wie Wedekinds „Lulu“ oder die Elisabeth aus „Glaube, Liebe, Hoffnung“, am Schauspielhaus Hamburg die Marie in „Woyzeck“ und die Helene in Fassbinders „Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“ am Maxim Gorki Theater in Berlin. 2004 wird sie von „Theater Heute“ sogar als Schauspielerin des Jahres nominiert. Der große Erfolg soll aber vorerst noch ausbleiben.

Stephanie kehrt mit ihrem Sohn zurück nach Berlin, spielt am Puppentheater Helmi und schreibt dort mit Florian Loycke Songs, die sie auch selbst performt. Vor kurzem hat sie sich wegen der großen Nachfrage mit ihm zur Band „Beton“ formiert. Aufgrund ihrer eigenwilligen, puren und kompromisslosen Schauspielkunst bleibt sie für die breite Filmlandschaft vorerst uninteressant. Doch „Spielwütigen“-Regisseur Andreas Veiel holt sie 2011 erneut vor die Kamera. In einem bombigen 60er-Jahre-Outfit besticht sie darin nicht nur durch äußerliche Wandlungsfähigkeit, auch schauspielerisch hält sie einem Tausendsassa wie August Diehl scheinbar mühelos stand.

Ein Zwischenerfolg, denn hier zeigt sich einmal mehr, dass sie sich längst selbst mit ihrem außergewöhnlichen Schauspielstil angenommen und ihn vielmehr zu ihrer eigenen, unverkennbaren Marke hat reifen lassen. Sperrig, intim und zutiefst ehrlich erscheint sie in jeder ihrer Rollen. Etwas, das nur wenige Schauspieler im Laufe ihres Lebens derart formidabel zu perfektionieren wissen.

Auch Regisseurin Hanna Doose bleibt ihr treu und besetzt sie 2011 vielleicht in der Rolle ihres Lebens. Als Kathi Bartsch kann Stephanie Stremler in „Staub auf unseren Herzen“ nämlich endlich offenbaren, was lange in ihr schlummerte. Leise Komik, erschütternde Dramatik und sämtliche Zwischentöne. Eindrucksvoll und intensiv reiht sie sich im ersten herausragenden Independentfilm Deutschlands in die oberste Liga deutscher Schauspielerinnen ein und verkörpert zudem ein zeitgemäßes Bild der gegenwärtigen Generation X. „Mich interessiert das direkte Spiel, wenn die Technik nicht mehr sichtbar ist.“ erklärt Stephanie Stremler mit eindrucksvoller Gestik. Ihr unnachahmliches Talent wird nun hoffentlich in großen Filmen weiterhin sichtbar sein.

Auch Stephanie Stremler stellte sich unserer REFlection. Hier das erstaunliche Ergebnis:

 

-Einstieg-

 

1. Was bedeutet „TUN“ in deiner Welt?

Stunde der Wahrheit

 

2. Was „NICHTS TUN“?

Sammeln

 

 

-Deine Arbeit-

 

 

1. Alles fing damit an, als ich…

merkte, dass ich noch viel lernen muss.

 

2. Mein Job ist für mich, wie…

eine intensive Reise durch verschiedenste Psycholandschaften.

 

3. Heute sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir folgendermaßen aus:

Außergewöhnlich und immer wieder neu.

 

4. Den größten Einfluss auf mein Schaffen hat…

die Arbeitsatmosphäre.

 

5. Mein aktuelles Projekt trägt den Namen:

STAUB AUF UNSEREN HERZEN

 

6. Hierbei geht es um…

die Liebesgeschichte zwischen einer Mutter und einer Tochter, die ihr Leben lang zusammengestanden haben und jede auf ihre Weise mit Enttäuschungen der Vergangenheit kämpfen. Der Versuch der Tochter, als Schauspielerin und Mutter eines kleinen Sohnes ihren eigenen Weg zu gehen. Ein Familienbiotop, in dem die alltäglichen Konfrontationen mit der Zeit weltbewegendes Ausmaß erreichen.

 

 

-Dein Leben-

 

1. Das bin ich geworden:

Ein eigen denkender und suchender Mensch.

 

2. Das wollten meine Eltern immer:

Dass ich meiner Person gerecht werde.

 

3. Das habe ich mir einfacher vorgestellt:

Freiheit ohne Geld.

 

4. Und das schwieriger:

Ein Fels in der Brandung zu sein.

 

 

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