Jens Ullrich: Schwebende Skulpturen



Dem Sport wohnt eine ganz eigene Ästhetik inne. Wenn der Körper straff gestreckt durch die Luft fliegt, sich der Mensch zu schier unmöglich scheinenden Höchstleistungen aufschwingt und formvollendet ungeahnte Höhen erreicht, wird dieses Moment von den aufmerksamen Fotografen am Rande festgehalten. Die Sportler erinnern in ihrer Positur an Skulpturen, die perfekt und still in ihrer Dynamik eingefroren wurden.

Der Künstler und Collagist Jens Ullrich nahm sich dieser Analogie an. Die “Flieger” sind Collagen aus in heutigen Tageszeitungen und Sportmagazinen gefundenen Fotografien und Skulpturen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die sich durch die Verbindung idealisierter Modellkörper mit den spektakulären Aufnahmen der Sportler zu schwebenden Monumenten zusammenschließen. Hier wird der Gegensatz von schweren steinernen Figuren und scheinbar jeder Gravitationskraft entbehrenden Körpern augenscheinlich.

Ullrich wurde 1968 in Tansania geboren, genoss später eine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf und lehrt gegenwärtig an der UdK in Berlin. Das bevorzugte Medium des Künstlers ist die Collage, für die er Ausschnitte aus Printmedien mit zum Teil selbst entworfenen Elementen kombiniert. Für die Serie “Flieger” klebte er die einzelnen Papierstücke direkt auf die lebensgroßen Leinwände, um dem so entstehenden Eindruck nochmal Nachdruck zu verleihen.

©Jens Ullrich / VAN HORN, Düsseldorf

Kommentar schreiben