REFlection: Benjamin Kahlmeyer – Meanwhile in Mamelodi



Benny ist kein Freund vieler Worte, eher der Richtigen. Seine verschmitzten Augen und roten Wangen lassen ihn manchmal wie nen frechen Lausebengel erscheinen. Doch hat der -Ex-Marburger und Wahlberliner als mutiger Dokumentarfilmer mehr erleben dürfen als manch anderer. Vielleicht hatte der ein oder andere das Riesenglück, 2010 die WM in Südafrika zu verfolgen. Benjamin Kahlmeyer war auch zu diesem Zeitpunkt in Südafrika und wahrscheinlich dank seines einnehmenden, natürlichen Charmes fand er dort den Stoff für eine Geschichte, die sich zu erzählen lohnte und bewusst nur beiläufig von der WM erzählt.

Herausgekommen ist ein kleiner Meilenstein in Benny’s Laufbahn namens „Meanwhile in Mamelodi“ und ein absolut sehenswertes Juwel unter den Dokumentarfilmen. Keine von den einschläfernden Dokus, die einen an verregneten Sonntagen das Hirn sanft berieseln, sondern eine charmante Geschichte aus dem Leben und eine Hymne an die Lebensfreude.

Mamelodi ist eine postapokalyptisch wirkende Flickstadt aus Wellblech, Holz, Schrott und Staub……und die Heimat von Steven, ein sympathischer Optimist, seiner 17-jährige Tochter Moskito und dem Rest seiner Familie. Wer jetzt weiterhin ein bedrückendes Dritte-Welt-Szenario erwartet, kann beruhigt die Scheuklappen ablegen.

Es liegt Veränderung in der Luft von Südafrika, die man fühlen kann wie die statische Aufladung vor einem Gewitter. Die Post-Apartheid-Generation spielt Fußball, geht aufs Gymnasium und hat längst erkannt, dass nur eine gute Bildung ihr Tor zur großen Freiheit ist. Geschichten über Träume, Ziele und den nagenden Ängsten konnte Benny geschickt sammeln und in einem wunderbaren Film vereinen. Und das, wo das Filmprojekt “nur” der Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg sein sollte! Die besten Geschichten schreibt eben das Leben.

Den Film kann jeder am 26.11.2012 um 23:30 Uhr im SWR mitverfolgen. Wie jemand der neuen Generation der Dokumentarfilmer tickt und wie lange, warum und wie stark er das tut, hat uns Benny in der REFlection erzählt.

 

1. Was bedeutet „TUN“ in deiner Welt?

Recherchieren, reisen, Begegnungen machen, nachdenken und schreiben, drehen und schneiden, schreiben, konzeptionieren. Wenn ich so richtig ins „rollen“ komme, kann ich zu einem richtigen Arbeitstier werden. Dazu gehört immer ein konkretes Projekt und im Optimalfall ist das eine Herzensangelegenheit. Da man als Dokumentarfilmer nicht unbedingt von einem gesicherten Einkommen ausgehen kann, braucht man so etwas wie ein Standbein. In meinem Fall sind das dann Auftragsarbeiten, zumeist Eventdokumentation, Werbe- und Imagefilme.

 

2. Was „NICHTS TUN“?

Im besten Fall: Relaxen, ausruhen, Freunde treffen, Filme schauen, Zeit mit meiner Freundin verbringen. Und vielleicht Sport…wobei das hat ja schon ziemlich viel mit Aktivität also TUN zu tun.

Im schlechtesten Fall: Durchhängen, zweifeln, sich planlos durchs Internet klicken, zu viel schlafen.

 

-Deine Arbeit-

 

1. Alles fing damit an, als ich …

…beim Offenen Kanal in Berlin ein Praktikum gemacht habe. Ein ziemlich kurioser und kreativer Ort. Zumindest damals. Das „selber filmen“ und „einfach machen“ hat sich da irgendwie verselbstständigt – und am Ende hatte ich auf einmal meinen ersten eigenen Film gemacht. Wenn ich heute darüber nachdenke, war das aber total logisch und folgerichtig. Über die unvermeidlichen Praktika beim Film hatte ich ja zuvor schon ein wenig herausfinden können wohin die Reise geht – und wohin eben nicht. Alles Weitere hat sich dann über meinen Weg an der Filmhochschule ergeben…

 

2. Mein Job ist für mich, wie …

Segen und Fluch. Einerseits bin sehr glücklich keinen „9 to 5 job“ zu haben, durch die Welt reisen zu können, Menschen und Orte kennenzulernen, sich kreativ zu verwirklichen – und am Ende ein Produkt zu haben, einen Film, den man nach außen tragen und mit anderen Menschen teilen kann. Auf der anderen Seite wünsche ich mir manchmal auch die Sicherheiten einen „echten“ Jobs. Weihnachtsgeld und 13. Monatsgehalt wäre durchaus nicht schlecht! So muss ich mich halt ständig um neue Projekte und Jobs kümmern, mehrmals im Jahr! Dazu braucht man eine gute Selbstorganisation und Disziplin. Eigenschaften, die mir leider von Zeit zu Zeit abgehen…

 

3. Heute sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir folgendermaßen aus:

Einen gewöhnlichen Arbeitstag gibt es in dem Sinne nicht bei mir. Manchmal arbeite ich wochenlang ohne größere Pausen an einem Film – und dann habe ich auch wochenlang nichts auf dem Schreibtisch und muss mir den Alltag irgendwie sinnvoll strukturieren.

 

4. Den größten Einfluss auf mein Schaffen hat …

Musik ist für mich eine wichtige Inspirationsquelle. Ich mache auch selber Musik, schraube an Beats und spiele ein paar Instrumente in meinem kleinen Homestudio ein. Das kommt aber immer nur phasenweise, mitunter rühre ich die Instrumente auch monatelang überhaupt nicht an. In Sachen Film waren immer die Regisseure der Nouvelle Vague und des italienischen Neorealismus eine Inspirationsquelle. Aktuell interessieren mich die Filme von Ulrich Seidl und Michael Haneke.

 

5. Mein aktuelles Projekt trägt den Namen:

MEANWHILE IN MAMELODI

 

6. Hierbei geht es um …

Das Portrait einer südafrikanischen Familie in den Townships von Pretoria. Wir haben dort zur Zeit der Fußball WM 2010 gedreht. Das Turnier dient als eine Art chronologischer Rahmen, vor dessen Hintergrund der Alltag dieser liebenswerten Familie dokumentiert wird. Trotz all der Probleme mit denen sich die Familie konfrontiert sieht, stehen vor allem die Themen des alltäglichen – und überall auf der Welt universellen – Lebens im Mittelpunkt: Erwachsen werden, erste Liebe, familiärer Zusammenhalt, Business und Karriere, Hoffnungen und Träume.

 

-Dein Leben-

 

1. Das bin ich geworden:

Ein humorvoller und aufgeschlossener Typ.

 

2. Das wollten meine Eltern immer:

Dass ich glücklich werde mit dem was ich mache.

 

3. Das habe ich mir einfacher vorgestellt:

Mit Hilfe meines Berufs Unmengen von Geld anzuhäufen.

 

4. Und das schwieriger:

Im Berufsleben Spaß zu haben

 

 

1 Kommentar

  1. Hab den Film gesehe und fand ihn wirklich sehr gelungen. Man hatte wirklich das Gefühl, dass es ein Film auf Augenhöhe war. In der Fragerunde im Anschluss, hat Benjamin Kahlmeyer sich ziemlich symphatisch auf die Fragen eingelassen.

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