Eilmeldung: Andy ist nicht mehr in Deiner Freundesliste!



Andy ist nicht mehr in Deiner Freundesliste!

Schon seltsam, dass es mich noch kratzt. Im Kopf schnellt kurz noch sein letztes Profilbild auf, welches ich irgendwo als Post-it im Hinterkopf zu kleben hatte. Und schon verblasst es wieder. Sein Leben, seine Entscheidungen. Die Liste meiner Facebookfreunde ist lang und eine wabbernde Matrix, die sich ständig neu vernetzt. Wer sich einmal von dieser sporadischen Neugier in den Sog des Facebookuniversums hat ziehen lassen, erkennt beim Durchzappen von Freunden, Bekannten und Freundesfreunden in jedem Fotoschnippsel das kurze Aufblitzen eines ganzen Kosmos von Persönlichkeiten, schicksalhaften Momenten in Wort und Bild und jeeede Menge belanglosen Kram.

Spätestens da sollte man wieder in die immer rastloser werdende Welt zurückkehren, arbeiten, Telefonate führen, Tabellen anlegen, Dinge wirklich bewegen. Doch wie am Morgen nach der „wirklich letzten Zigarette“ vom Silvesterabend zieht es einen immer wieder in die Tiefen des blauen Socialoceans. Und er wird größer und größer. Wir sammeln mehr Freunde als wahre Momente. Nein, nein, nicht noch eine hippe Abrede unseres alltäg…stündlichen Treibens auf den blauweißen Seiten! Facebook ist für mich wie Berlin, weil es Dir soviel nimmt, wie es Dir auch wieder gibt.

Im wahren Leben sagt man, dass Dein Handeln Dein Leben bestimmt…und als würde sich FB so langsam in unseren Genstrang eingliedern, schlägt auch das dortige Handeln mitunter gewaltige Wellen in unser alltägliches Leben. Von Internet-Mobbing, Kommentarkriegen und Wett-Liken bis hin zum leisen Knistern auf Pinnwänden, welche dann diskret in ungestörten Privat-chats hell auflodern, ist die Vielfalt riesengroß.

Von den ersten Aufnahmen des frisch Geborenem über Accounts für Haustiere bis hin zu Florence Detlor, mit 101 Jahren die bisher älteste Nutzerin, ist der Userkreis keiner bestimmten Altersgruppe mehr zugehörig und entwickelt in beachtlicher Zeit ein hochkomplexes, intelligentes Sein, dessen Ausmaße noch ungewiss sind. Ich für meinen Teil kann auch gern mal gegen den Strom schwimmen und mich zeitgleich als Teil des Ganzen betrachten. So sehr ich Dich verfluche, so sehr liegst Du mir dann doch am Herzen, Facebook. Ob es das gefilterte Bild der Morgensonne überm Alex um 06:30 Uhr, die klugen Ein-Wort-Lyriker, das verwackelt süffige Bild um 02:34 in irgend einer U-bahn, deine Musikplaylist oder auch nur das simple kleine schwarze Herz ist: ein Leben „ohne“ geht auch, klar…aber „mit“ ist auch kein Schlechteres.

Was kommt als nächstes? Eine Schulung für bewusstes Posten? Klingt komisch? Absurd? Doch warum nicht? Fakt ist, auch diese wird wieder Wellen schlagen, auch diese wird Menschen in irgendeine Richtung treiben und Fakt ist auch, das ich mich dieser abermals wohl nicht entziehen kann.

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