Ausstellungstipp: Geschlossene Gesellschaft – Künstlerische Fotografie in der DDR 1949-1989



In der Berlinischen Galerie widmet sich die, übrigens weltweit erste umfassende, Retrospektive “Geschlossene Gesellschaft” mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall der künstlerischen Fotografie in der DDR. Es gibt einige Bilder, die im Zusammenhang mit dem sozialistischen Staat geradezu ikonisiert wurden- man denke nur an den Sprung des Grenzsoldaten über den gerade ausgerollten Stacheldraht oder die feiernden Menschen auf der besprayten Mauer 1989. Doch stehen diese größtenteils stellvertretend für Anfang und Ende der DDR. Fotografien, die zu Hochzeiten des Staates entstanden, unterlagen meist staatlicher Zensur oder kalkulierter Propaganda.

Dass es in der DDR aber eine Vielzahl von Künstlern und Fotografen gab, die ihre Kamera als Medium ästhetischen Ausdrucks wahrnahmen, zeigt die Schau in der Berlinischen Galerie in katalogisierten Kapiteln. Neben der Untersuchung von Bildsprache und stilistischen Strömungen ist es vor allem das erste Kapitel, das die sozial engagierte Fotografie beinhaltet, welche einen unverstellten Einblick in den Alltag hinter der Mauer gibt. Arno Fischer, Ursula Arnold und Jens Rötzsch sind hier zu finden.

Im zweiten Kapitel wird an eine ästhetisch-formale Linie angeknüpft, die Mitte der 50er-Jahre eingedenkt der Bildsprache der 20er-Jahre entstand, über 20 Jahre aber keine Nachfolge fand, bis sich die Fotografen in den 70er-Jahren wieder dieser Standarts besannen.

Ein großer Teil der im dritten Kapitel vorgestellten jungen Fotografen wie Sven Marquart oder Fritz Kühn brauchte diese Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten, um ihre komplexen Eindrücke und Gefühle besser darstellen zu können. Viele von ihnen hatten mit dem Selbstverständnis der älteren Generationen gebrochen, weil sie mit einem desillusionierten Blick auf die DDR-Gesellschaft sahen. Aus diesem Lebensgefühl heraus und indem sie sich selbst, ihre Körper und ihre Wahrnehmung in den Mittelpunkt der Arbeiten stellten, begannen sie ihre fotografischen Erkundungen.

Die Ausstellung in der Berlinschen Galerie läuft noch bis zum 28. Januar. Ein Besuch lohnt sich allemal.

Berlinische Galerie- Museum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
Öffnungszeiten: Mittwoch-Montag 10:00-18:00 Uhr
Dienstag geschlossen

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