Sonny Sanjay Vadgama – Wenn Gebäude zur Leinwand werden: Berlin Video Walk



Leistungsstarke Beamer und fortschrittliche Projektionstechniken ermöglichen es zeitgenössischen Video-Künstlern, ihre Arbeiten, vorausgesetzt die Umgebung hüllt sich in Dunkelheit, auf beinahe jedem erdenklichen Untergrund abzubilden. Diesen Umstand hat sich der britische Künstler Sonny Sanjay Vadgama zunutze gemacht, um in der Nacht vom 4. auf den 5. August in einem gemeinschaftlichen Spaziergang durch die Stadt und in Kooperation mit den Lichtpiraten seine Arbeit “Poised On An Edge” auf verschiedene Gebäude Berlin zu projizieren. Darunter waren unter anderem der Reichstag, das Paul-Löbe-Haus, das Bode-Museum und das Kunsthaus Tacheles.

Im Video „Poised On An Edge“ ist ein Auge zu sehen, welches den Betrachter direkt anblickt. Auf seiner Oberfläche bildet sich eine Träne. Die Arbeit zeichnet die fließenden Grenzen zwischen chaotischen emotionalen und physisch kontrollierten Stadien nach. In der Tränenflüssigkeit selbst spiegelt sich die umgebende Welt drum herum wider.

Das Video auf Gebäude und Einrichtungen in der Stadt zu projizieren, wirft für den Künstler eine primär emotionale Fragestellung auf. Für einen Moment, für die kurze Zeit der Projektion gehen Kunstwerk und Gebäude eine symbiotische Verbindung ein. Das meist durch historische oder politische Hintergründe ikonisierte Gebäude wird seiner eigentlichen Darstellungsebene enthoben und zur Leinwand für die Arbeit des Künstlers.

Die Videoarbeiten des Künstlers, die häufig auf gefundenem digital manipulierten Material basieren, zeichnen sich durch formale und ästhetische Perfektion aus. Sie erzählen von politischen und kulturellen Interessen des Künstlers. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem “space between“, dem Raum zwischen Ordnung und Chaos, Krieg und Frieden, Kreation und Zerstörung. Das Spektrum seiner Erzählungen reicht dabei von persönlichen intensiv erlebten Momenten bis hin zu hochgradig politischen Positionen – die Erzählweise befindet sich stets in der Schwebe zwischen scheinbar dichotomen Systemen. Sie erforscht jene transformativen Momente, in denen etwa Ordnung in Chaos zu kippen droht und verweist damit auf die Fragilität gefühlter Sicherheit und bestehenden Ordnungsverhältnisse.

Wessen Interesse nun geweckt wurde und wer mehr über den Künstler erfahren möchte, ist bestens damit beraten ab dem 15. September in der Galerie Kornfeld vorbei zu schauen. Dort ist eine umfassende Ausstellung über das Werk des Video-Künstlers zu sehen. Alles weitere gibt’s unten.

Galerie Kornfeld
Fasanenstraße 26, 10719 Berlin
“Sonny Sanjay Vadgama”
Sa, 15 September – 13. Oktober 2012, 11-18 Uhr

Abschließend findet ihr hier noch ein Video zur Kunstaktion in Berlin.

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