

Was müssen das für Kontakte gewesen sein, die dem belgischen Fotografen Anton Kusters dieses Projekt ermöglicht haben? Über den Zeitraum von zwei Jahren durfte er die oberste Instanz der organisierten Kriminalität Japans, die Yakuza, mit der Kamera begleiten. Wer nun denkt, diese Jahre waren das reinste Vergnügen, liegt mit seiner Einschätzung ziemlich daneben, oft genug glich die Dokumentation des Verbrecheralltags mehr einem Selbstmordkommando.
Es ist das persönliche, fotografische Zeugnis einer normalerweise hermetisch abgeschotteten Organisation, einer Familie, die in der Tradition steht, die Straßen Tokios mit erbarmungsloser Konsequenz fest im Griff zu haben. Bereits 2008 starteten die Vorbereitungen für dieses spektakuläre Projekt, nach 10 Monaten der eingehenden Prüfung schließlich, wurde Kusters und seinem Bruder Malik als eine der ersten westlichen Personen der Zugang zu den engsten Kreisen der Yakuza gewährt.
Er begleitete die Mitglieder der Organisation durch Hinterhöfe, Nachtclubs, Spielhallen, zu den Umschlagplätzen der Häfen und zu Treffen der Großfamilie. Kurzum: Zwei Jahre hindurch war er Teil dieser komplexen Maschinerie, eine Erfahrung, die ihn zur Wachsamkeit erzogen hat. Er lernte, die minimalsten Gesten im Gesicht seines Gegenübers zu deuten und anhand einer Änderung in der Stimmfarbe des Gesprächspartners dessen Gemütsstimmung festzulegen. Ein Prozess, der absolut notwendig war, wollte er nicht in die Missgunst der Anführer fallen.
“It’s like I literally feel the boundaries, the implicit expectations, and I am slowly learning when I can move forward, and when to best hold back. Sitting at the table with a bodyguard looking straight through me, I drink from my iced coffee. I’m feeling the acute sensation of walking on eggshells…”
Durch seine Aufnahmen gelang es ihm, im Lauf der Zeit die Strukturen der Organisation und deren subtile Beziehung zur japanischen Gesellschaft zu verstehen. Nach Beendigung des Projekts sammelte er die Fotografien, mit persönlichen Kommentaren versehen, in dem Bildband “ODO YAKUZA TOKYO“, der bezeichnenderweise schon nach wenigen Stunden vergriffen war.
Unten findet ihr die eindrucksvollen Aufnahmen, die trotz des ästhetischen Eindrucks, keinen Zweifel an der beklemmenden Atmosphäre im Dunstkreis der Yakuza lässt. Auf seinem Blog informiert der Fotograf über den Fortlauf seiner Arbeit.








all images © Anton Kusters



wow, der hat Mut
Ich habe Ewigkeiten nach diesen Fotos gesucht! Da kommt der Artikel sehr gelegen! Danke!
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