

Der Gang durch die nächtliche Stadt ist für viele kein angenehmer. Das matte Licht der Straßenlaternen lässt aus harmlosen Objekten furchteinflössende Gebilde entstehen. Nur schwach ausgeleuchtete Orte meidet man, der Schatten der Nacht ist uns nicht geheuer. Jeder Person, die uns auf diesem meist einsamen Gang begegnet, misstrauen wir zunächst. Dennoch geht von der still daliegenden, düsteren Stadt eine ungebrochene Faszination aus, vor allem für Fotografen, die von der Ästhetik der verlassenen Straßenecken angezogen werden.
Den litauischen, gegenwärtig in London lebenden Fotografen Imantas Selenis treibt eine andere Motivation in die nächtliche Stadt. Seine Serie “City Corners” richtet den Blick auf das, besonders in der englischen Hauptstadt zunehmende Phänomen der “Counter Urbanisation”. Ein Prozess, bei dem die Bewohner innerstädtischer Ballungszentren mehr und mehr in Vorstadt- oder Randgebiete ziehen, um sich steigender Luftverschmutzung, Kriminalität und untragbarem Verkehrsaufkommen zu entziehen. Die städtischen Zentren verlieren zunehmend an Attraktivität als Wohnort für Familien und Paare.
Das Projekt zeigt am Beispiel der “City of London”, dem zentralen Bezirk der Stadt, exemplarisch auf, wie durch progressive Stadtentwicklung die Bewohner dieser Gegend zugunsten von wirtschaftlich relevanten Institutionen und Neubauten verdrängt werden. Heute zählt die City of London zu einer der wichtigsten Zentren des weltweiten Finanzsektors. Tagsüber wird der Bezirk zum Arbeitsplatz von über 500 000 Menschen, bevor diese nach Beendigung des Arbeitsalltags den Bezirk als nahezu ausgestorbene Brachfläche zurücklassen.
Neben seinem Interesse für Stadtentwicklung und urbane Räume, hat der litauische Fotograf auch ein ausgeprägtes Faible für stimmungsvolle Portraits. In seinem Flickr-Profil und auf seinem tumblr-Blog teilt er aktuelle Arbeiten und exklusive Aufnahmen.













All images © Imantas Selenis



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