
»A New World« (Detail), 1990, Courtesy: The Artist

»Studies on Happiness: Public Interventions«, 1981, Courtesy: The Artist

»Chile 1981, Before Leaving «, 1981, Courtesy: The Artist
Beim Namen Jaar, da klingelt doch was? Und tatsächlich, Alfredo ist der Vater des berühmten Ausnahmetalents der elektronischen Musik, Nicolas Jaar. Doch hier zu vermuten, die Bekanntheit des Vaters speist sich lediglich aus dem Ruhm des aufstrebenden Sohnes, ist ein fatales Missverständnis. Denn der 1956 in Santiago de Chile geborene Künstler Alfredo Jaar kann auf einen eindrucksvollen künstlerischen Werdegang zurückblicken.
Als Architekt und Filmemacher ausgebildet, produziert der Chilene mithilfe der ihm eigenen, künstlerischen Instrumente der Archivierung, Recherche und Intervention raum- und gesellschaftsbezogene politische Statements. Stetige Motivation des Künstlers, der sich vehement gegen staatliche Restriktion und Zensur stellt, ist die Visualisierung politischer und sozialer Missstände, ein kritischer Zugriff auf die Medien und die Erreichbarkeit verschiedener Öffentlichkeiten. Ausgangspunkt dieser hochkontroversen Arbeiten ist in jedem Fall die gründliche Analyse der Hintergründe und Wirkungen konkreter Ereignisse und Situationen. Schon frühe Arbeiten des Künstlers beschäftigen sich mit Widerstandsformen im öffentlichen Raum, die das Bild der chilenischen Öffentlichkeit der 1970er Jahre prägten.
Nach seiner Übersiedlung nach New York, die sich als äußerst förderlich für seinen künstlerischen Bekanntheitsgrad heraus stellen sollte, Jaar war immerhin zweimaliger Teilnehmer der documenta in Kassel, verschob sich sein Interesse vermehrt auf den damaligen Brennpunkt Afrika. Seine Werke nahmen Stellung zum Völkermord in Ruanda, dem Ende der Apartheit in Südafrika und der Politik Nelson Mandelas. Auch in Berlin wirkte der Künstler, etwa mit einer spektakulären Intervention im Pergamonmuseum oder mit fünf großflächigen Fotografien, die kurz nach dem Mauerfall am Brandenburger Tor aufgenommen wurden. Um nun wieder die Verbindung zu seinem Sohn zu knüpfen: Das Album “Space Is Only Noise” ziert eine Aufnahme von Alfredo Jaar.
Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt seit 15.06. in Kooperation mit der Berlinischen Galerie und der Alten Nationalgalerie die deutschlandweit erste Retrospektive des international renommierten Chilenen. Das ungewöhnliche Vorgehen, die Werke gleichzeitig in drei Berliner Institutionen zu zeigen, ist damit zu erklären, dass Jaars Werk so umfangreich und vielschichtig ist, dass es die Kapazitäten einer einzigen Einrichtung sprengen würde. Die Ausstellung gibt einen retrospektiven Überblick über vier Jahrzehnte künstlerischer Produktion. Der Weg, der von den Besuchern zwischen diesen drei Institutionen zurückgelegt wird, soll zur persönlichen Reflexion anregen.
Hier findet ihr die Termine und teilnehmenden Institutionen nochmal zusammengefasst:
NGBK: 15 Juni – 19 August 2012
Berlinische Galerie: 15 Juni – 17 September 2012
Alte Nationalgalerie: 15 Juni – 16 September 2012

»Rwanda Rwanda«, 1994, Courtesy: The Artist

»The Aesthetics of Resistance«, 1992, Installation auf den Stufen des Pergamonaltars, Pergamonmuseum, Staatliche Museen zu Berlin


