REFlection: Joseph Wolfgang Ohlert – Begabung verpflichtet




Joseph Wolfgang Ohlert, 20, Berlin, Fotograf

„Ok. Komme zu Dir. Halbe Stunde“. Verdammt, damit hab ich nun nicht gerechnet. Innerhalb von einer Stunde wird aus einem dünnen Chat bei Facebook, ein Besuch bei mir zuhause.

Ich mag so etwas eigentlich nicht, aber dieser Joseph Wolfgang Ohlert ist irgendwie interessant. Seine Fotografien entdeckte ich im Netz, habe ihn darauf einfach mal angeschrieben und ZACK schon ist er unterwegs zu mir, ganz spontan. Schnell versuche ich, das Chaos in meiner Wohnung und in meinem Gesicht gerade zu rücken…verdammt, so wenig Zeit!

Als Joseph dann jedoch bei mir mit charmanter Neugier durch die Wohnung von Sofa zu Regalen und Fächern springt, weiß ich wieder, warum ich einem spontanen Kennenlernen zugestimmt habe: Der Junge ist ein besonderer Typ Mensch, der eine große Faszination ausstrahlt.

Mit seinen unfassbaren 20 Jahren hat er in der Welt der Fotografien mit einer Leichtigkeit neue Türen aufgeschlagen, an denen manch alter Hase aus dem Business gerade erst anklopft. Nicht zuletzt durch seine innovative „photographed by“-Serie, in der populäre Menschen des öffentlichen Lebens, wie Marc Jacobs, sowie Leute, die er interessant findet und selbst gerne porträtieren würde, spontan mit einer Einwegkamera, Fotos von Joseph, seinen Werken oder was gerade passiert, machen.

Seit seinem 16 Lebensjahr fotografiert er auf ungewöhnlich professioneller Ebene und es scheint nun, nur ein paar Jahre später, nicht mehr ungewöhnlich, dass der Junge vom Chiemsee u.a. für den AABER AWARD 2012, den Kulturpreis für junge Kunst, nominiert wurde. Seine Inspiration, Jürgen Teller, ist eine Ikone unter den Fotografen und beeinflusste früh das Geschaffene von Joseph. Wäre er ein Pokémon, wäre er wohl eines der besten in der Spielewelt, da er sehr früh erkannte, dass Weiterentwicklung ihm mehr Möglichkeiten eröffnet und er eine Verantwortung als Künstler trägt.

Erscheint er, hier angekommen in Berlin, auch als „typischer“ Hipster mit Wollmütze, der mit nem MacBook und Club Mate im Beutel durch die Mitte-Café’s streift, liegt man mit diesem Eindruck wohl komplett daneben. Seine Fotografien und Collagen, sowie er selbst, sind nicht konstruiert oder unterliegen lang vorbereiteter Konzeptionen, sondern sind eingefangene Blitzmomente von echter Ehrlichkeit, dem neutralen Nullpunkt des Seins.

Dies ist für ihn eine schier unerschöpfliche Quelle des Antriebs: Der Mensch ohne Lebensgefühl, authentisch und unverschleiert. Mein Problem mit der Chaoswohnung erscheint nun lächerlich.

Für i-ref stellt er sich nun unserem großen Fragebogen, der diesmal eine Mischung von reF-AQ und REFlection darstellt.

 

Dein Leben in zwei Worten:

Fragen stellen

 

Dein Leben in einem Satz:

Begabung verpflichtet.

 

Dein Song für den Moment:

Radiohead – Codex

 

Dein Zitat:

Kunst ist Denken und hat nichts mit dem Objekt zu tun (Joseph Wolfgang Ohlert)

 

Deine Frage:

Was kostet die Welt? (Joseph’s Großmutter)

REFlection:

 

1. TUN in deiner Welt:

sich gehen lassen

 

2. NICHTS TUN in deiner Welt:

das existiert für mich nicht. „Der König ist tot, lange lebe der König“

3. Alles fing damit an, als ich … :

das Bedürfnis verspürte, mich mitzuteilen.

 

4. Mein Job ist für mich… :

Ich habe keinen „Job”.

 

5. Heute sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir so aus:

Ich bin eher so der Nachtmensch..

 

6. Den grössten Einfluss auf mein Schaffen haben:

Selbstreflektion

 

7. Mein aktuelles Projekt trägt den Namen:

photographed by

 

8. Hierbei geht es um:

Auflösung des Begriffes „Künstler“ und nicht mehr zuordenbar zu machen / Die Begriffe Kunst, Objekt, Künstler und produzierende Kunst und auch die Definition des Betrachters aufzuheben und zu relativieren.

 

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