Protestmarsch für den Frieden im Nahen Osten: “May we prevent this war!”




Nachdem wir von der wunderbaren Kampagne “Iranians, we love you!“, die über das Internet rasend schnell Verbreitung fand und Iraner und Israelis gleichermaßen dazu aufrief, sich gegen eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten zu stellen, haben wir uns schlau gemacht und herausgefunden, dass sich auch in Berlin die Vertreter beider Parteien zu einem Protestmarsch zusammenfanden. Wir haben den Zug mit der Kamera begleitet.

Im Geiste dieser Bewegung versammelten sich am Samstag, den 5.5.2012 auch in Berlin Iraner und Israelis gleichsam, um gemeinsam sowohl gegen die Kriegshetze beider Regierungen zu protestieren als auch die deutsche Einmischung in diesen Konflikt abzustrafen.

Gegen 14 Uhr versammelten sich rund 250 Menschen am Kottbusser Tor, ausgerüstet mit Spruchbändern, bunten Plakaten und begleitet von einem Lautsprecherfahrzeug. Nachdem die Intention dieser Demonstration manifestiert wurde und zum friedlichen Protest gemahnt wurde, setzte sich der Zug den Kottbusser Damm entlang, in Bewegung Richtung Maybachufer. Auf dem Weg dorthin erregte diese skandierende Masse das Interesse zahlreicher Schaulustiger, von denen sich nicht wenige dem Protestmarsch anschlossen.

Die Initiatoren, die sich zu gleichen Teilen aus dem Iranian-Israeli Circle Berlin und der Jüdischen Stimme Berlin zusammensetzten, betonten nachdrücklich, dass eine Weiterverfolgung dieser rücksichtslosen Politik unumgänglich in eine Eskalation des Konflikts führen würde. Es läge nicht im Interesse der beiden Volksgruppen, sich dieser irrwitzigen Hasspropaganda der israelischen und iranischen Regierungen zu beugen. Denn dieser Konflikt sei ausschließlich von beiden Ländern konstruiert, um die Kritik an der jahrzehntelangen Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser durch Israel und der Unterdrückung der iranischen Bevölkerung durch das dortige Regime -sowohl aus dem Ausland als auch von den Oppositionen im Inland- im Keim zu ersticken.

Nach Meinung der Wortführer des Zuges, würde der nukleare Hype um einen potenziellen Ausbruch des brodelnden Eskalationsherdes benutzt, um die öffentliche Aufmerksamkeit von den drängenden existenziellen Bedürfnissen der Bevölkerungsgruppen abzulenken. Die deutsche Beteiligung in Form von wirtschaftlichen Embargos gegen den Iran und Waffenlieferungen an Israel, ist den Aktivisten ein Dorn im Auge, da diese ihr Endziel verfehle, indem sie die Regime stärkt und der Opposition den Wind aus den Segeln nimmt.

Vom Maybachufer bog der, mittlerweile auf fast 300 Demonstranten angewachsene, Marsch in die Hobrechtstraße ein, wo man den ersten Stopp veranlasste, um aus jenen komplexen Problemen, gemeinsam die essentiellen Forderungen des Protestes zu formulieren. Als sich die Menge wieder in Bewegung setzte, skandierte ein Großteil der Anwesenden: „Nein zu Sanktionen!“ und „Nein zum internationalen Beitrag im Wettrüsten in der Region!“.

Unter die pazifistischen Motive der Demo mischte sich nun langsam ein leiser Hauch von antiimperialistischer und antikapitalistischer Motivation. Sozialistische Interessensverbände hatten die Chance wahrgenommen, sich unter die Menge zu mischen und staatsfeindliche Pamphlete in Umlauf zu bringen, was vor allem den Vertretern der israelischen Friedensbewegung sauer aufstieß. Ein extra aus Tel Aviv angereister Israeli verriet mir, dass er die linken Statements einiger Anwesenden völlig fehl am Platze finde und der einzige Leitsatz dieser Veranstaltung der Frieden sein sollte.

Später traf ich noch auf einen, seit kurzem in Deutschland lebenden Iraner, der mir erzählte, dass die internationalen Sanktionen, die dem Iran auferlegt werden, faktisch die Bevölkerung und oppositionelle Aktivisten träfen. Denn diese wirtschaftlichen Repressionen gäben der iranischen Regierung ein Alibi, etwaige Proteste brutal niederzuschlagen und weltoffene Strömungen zu unterdrücken. Die Problematik bedürfe einer kritischen Auseinandersetzung innerhalb der deutschen Gesellschaft.

In diesem Sinne begannen Helfer der Veranstalter, Flugblätter mit den Forderungen der Bewegung unter die Scheibenwischer von Autos, die die Straße säumten zu klemmen, Außenstehende über die Intention dieses Marsches aufzuklären und zum friedlichen Aktivismus aufzurufen. Ob das die türkische Omi auf dem Balkon im ersten Stock der Hobrechtstraße 11 auch nur im Entferntesten berührte, sei mal dahin gestellt, auf jeden Fall aber vermochten es die Initiatoren, Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu erregen und im Laufe des Marsches, der am Rathaus Neukölln mit einer erneuten Kundgebung endete, mehr und mehr Menschen dazu zu bewegen, sich dem Zug anzuschließen.

Dies sei auch absolut notwendig und wünschenswert, sagte mir eine der Wortführerinnen, denn die Kriegstreiberei  benötige eine starke Opposition, die sowohl im In- wie auch im Ausland vernetzt sei und Beziehungen zwischen den Menschen aus der Region herstelle. Was den Protestmarsch darüber hinaus ausmachte, war die bunte Mischung aus Menschen jeden Alters, jeder Nationalität und jeden kulturellen Hintergrunds. Hier diskutierte eine deutsche Rentnerin, die gerade vom Flohmarkt am Maybachufer kam, mit einem Israeli, dort fielen sich eine Iranerin und  ein elegant gekleideter, türkischer Herr in die Arme.

Mit diesen Eindrücken im Kopf und vielen Bildern auf der Speicherkarte meiner Kamera, verließ ich die Demo auf der Sonnenallee, kurz bevor die Menge das Rathaus Neukölln erreichte. Ich hoffe, dass diese Bewegung, die ihren außergewöhnlichen Ursprung  im hartnäckigen Aktivismus eines Einzelnen fand und über das Netz eine unvorhersehbare Dimension erlangte, ihr Ziel erreicht und den drohenden atomaren Krieg zwischen dem Iran und Israel zu verhindern vermag.

Mehr Eindrücke vom Protestmarsch am 5.Mai findet ihr unten in der Galerie.

 

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