Iranians, we love you! – Gemeinsam gegen Krieg und Homophobie




Dies ist eine Geschichte, die von der Macht der Solidarität, der Nächstenliebe und der Völkerverständigung handelt. Grenzüberschreitend, vielfältig und autark.

Die Geschichte beginnt am 15. März 2012 mit der Handlung eines Einzelnen: Der Israeli Ronny Edry ist Vater, Lehrer, Grafikdesigner und lebt mit seiner Familie in Tel Aviv. Über die israelischen Medien und andere internationale Kanäle hat er mitbekommen, dass die israelische Regierung um Ministerpräsident Netanjahu dem Iran offen und gestenreich mit Krieg droht. Bombardements, Besatzung, atomare Streitmacht.

Provoziert wurde dieser schwelende Konflikt von der Unbeirrbarkeit des Iran bezüglich seines Atomprogramms und aggressiv antisemitischen Parolen des iranischen Machthabers Ahmadinedschad. Ein Konflikt, der über den Köpfen der Bürger ausgetragen wird, im Falle einer Eskalation aber unsägliches Leid über die Angehörigen beider Parteien bringen sollte.

Für Ronny Edry entbehrten die angeführten Gründe jeglicher praktischer Vernunft, ein Produkt absurder Tatsachenklitterei und der Gipfel der Banalität. Er hatte nichts gegen die Iraner, er kannte nicht einmal welche. Was er aber wusste, war, dass jede kriegerische Auseinandersetzung völlig grundlos und um jeden Preis zu verhindern war.

Also setzte er sich hin, um eine Botschaft in die Weiten des Internets einzuspeisen. Die Nachricht war simpel: Ein Herz mit dem Satz darunter:“ Iranians, we love you! We will never bomb your country.“ Ein wunderbares Beispiel für Völkerverständigung, unabhängig von staatlicher Einflussnahme und profitorientierter Nutzbarmachung. Ganz gleich, was die Machthabenden sagen mögen, wir werden nicht gegen euch in den Krieg ziehen. Vielleicht ein naives Unterfangen, vielleicht auch ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber, und das ist viel wichtiger, ein Zeichen für den Frieden.

Innerhalb von 24 Stunden griffen Tausende von Menschen rund um den Erdball diese Idee auf, teilten, liketen und twitterten die Botschaft. Kurze Zeit später begannen auch die Medien über dieses Phänomen zu berichten. Aus der Initiative eines Einzelnen wurde eine Bewegung. Anstatt es dabei zu belassen, machte Edry weiter. Er fotografierte seine Familien, Nachbarn, Rentner, ganz normale israelische Bürger und setzte seine Liebesbotschaft unter die Bilder. Daraus machte er Poster, die er in alle Welt verschickte. Er sammelte Geld, um seine Kampagne am Laufen zu halten. 7 500$ hatte er sich zum Ziel gesetzt. Bis zum 4.Mai kamen 30 000$ zusammen. Sein Ziel war es, die Aufmerksamkeit der Regierungen auf dieses außergewöhnliche Projekt zu lenken und die Menschen beider Länder zu verbinden. Über Grenzen und Vorbehalte hinweg.

Prämisse einer vom Volk legitimierten Regierung sollte sein, Fürsprecher der Allgemeinheit zu sein. Wird ihr diese Grundlage entzogen, so wird es ungleich schwerer, Entscheidungen auf den Willen des Volkes zu basieren. Die Früchte seiner Arbeit waren beispiellos. Unzählige Iraner schlossen sich dieser Bewegung an, schickten Fotos von sich ein, oftmals unkenntlich gemacht aus Angst vor staatlicher Verfolgung. Ein israelischer Landschaftsgärtner rief eine Seite ins Leben, auf der Israelis und Iraner gemeinsam posierten, Verbundenheit zeigten und ihre Geschichte erzählen konnten.

Die angeschlossene Facebook-Gruppe hat mittlerweile 64 000 Fans. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel, wie die sozialen Medien, Interessensverbände dazu ermächtigen, ihre Stimme zu erheben und Aufmerksamkeit zu generieren. In Tel Aviv protestierten Hunderte gegen die Kriegshetze der Regierungen. Auf der ganzen Welt schlossen sich iranische und israelische Gemeinden zusammen, um gemeinsam die Beendigung dieses sinnlosen Konfliktes zu fordern. Angetrieben von dem Motto „May we prevent this war!“.

Im unten gezeigten Video richtet der Urheber der Bewegung, Ronny Edry, eine Botschaft an die Zuseher. Er spricht über seine Motivation, erklärt seine Kampagne und bittet um Mithilfe.

Auch in Berlin schlossen sich Israelis und Iraner zusammen, um gegen Kriegstreiberei und für Frieden zu demonstrieren. Der Autor dieser Zeilen hat den Zug vom Kottbusser Tor zur Sonnenallee mit der Kamera begleitet und wird natürlich auch darüber berichten.

 

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