London – Tag 2: Der wilde Osten



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TAG 2 in London:

Nachdem wir uns am Vortag camouflage-artig in die Horden der Touristen in der Innenstadt einreihten, stand der zweite und letzte Tag ganz im Zeichen des crazy hippen East Ends. London ist, ähnlich wie New York, geprägt von harschen Kontrasten. Hinter den prunkvollen Gebäuden des Financial Districts war früher für viele Londoner die Stadt zu Ende. Das ehemalige Immigranten-Borough rund um die Liverpool Street galt als das innerstädtische Tor zum Ghetto. Hier wollte man nicht sein, außer man hatte Familie aus Russland, Bangladesch oder der Karibik – oder eine ausgeprägte Affinität zur organisierten Kriminalität.

Doch wie sollte es anders sein, hat auch in London die Gentrifizierung schon lange Einzug gehalten und das ehemalige Viertel, in dem auch Jack The Ripper einst sein Unwesen trieb, zu einem aufstrebenden, dynamischen Epizentrum für Künstler, Kreative, Studenten und junge Familien gemacht. Ein Hauch von Brooklyn und Kreuzberg wehte uns entgegen. Hier gibt es die kleinen Cafés mit dem überteuerten Low Fat Latte Macchiatto Frappuccinos, die Second Hand Läden, die Galerien, die Shared Workspaces, zwischendurch ein paar Migranten-Kids, die versuchen ein Fixie zu klauen und jede Menge Scenester (ehemals Hipster) zwischen 20 und 35. Willkommen Zuhause!

Hier findet ihr auch einige der so angesagten Pop-Up Stores. Temporäre Geschäfte meist großer Marken, die kurzzeitig Immobilien anmieten und dann wieder verschwinden. Low risk capitalism at its best. Ein ganz wunderbares Beispiel ist der Box Park (auch Sonntags geöffnet), direkt neben dem U-Bahnhof Shoreditch High Street. Ein 2-stöckiger schwarzer Container-Park, der auf wenigen Quadratmetern Marken wie Nike, Carharrt, Vans, Urbanears oder aufstrebenden Gastronomie-Konzepten ein kurzfristiges Zuhause gibt. Die Brands können ihren Container gleich ganz bequem einrichten und anliefern lassen – und, sollte das Geschäft nicht laufen, mit einem LKW sofort wieder abholen. Smarte Sache, dieser Box Park. Im Obergeschoss lässt es sich ganz wunderbar “loungen”. Hier genossen wir ein paar wahnsinnig gute Fruchtsaft-Smoothies und hielten unsere blassen Gesichter in die Sonne (ja, die Sonne schien nämlich immer noch wie eine übermotivierte, selbstbewusste englische Lady).

Hier warteten wir dann auf unsere Londoner Freunde, die uns Berlinern mal so richtig zeigen wollten, wo der Hase lang läuft. Und wie überall auf der Welt zahlte es sich aus, den ein oder anderen Einheimischen zu kennen. Erster Stop unserer Guided-Tour war dann das gegenüber gelegene Shoreditch House. Für viele der Inbegriff der Yuppie-iesierung, für uns eine perfekte Aussichtsplattform. Wer will und Mitglied ist, kann hier auf dem Dach im Pool liegen und dabei über die ganze Stadt blicken. Beeindruckend. Da unsere persönliche Badesaison allerdings noch nicht begonnen hatte, war der Reiz dieses magisch dekadenten Ortes schnell ausgeschöpft und wir machten uns auf Richtung Brick Lane.

Die Brick Lane brauche ich keinem London-Kenner zu beschreiben – für alle, die sie nicht kennen, beschreiben diese drei Schlagworte sie wohl am besten: Curry, Vintage, Street Art. Hier wurde unsere Londoner Begleitung Michael erst einmal standesgemäß von einem Streetstyle-Blogger abgelichtet und -zu seiner Freude- damit ein weiteres Mal leise zum Ritter geschlagen. Welch Ehre für jeden Fashion-Freund. Denn wir sind hier ja nicht in Castrop-Rauxel, auf der Brick Lane muss man sich schon Mühe geben um aufzufallen.

Wir schlenderten weiter und liefen auf den Columbia Road Flower Market zu. Ein magischer Ort. Jeden Sonntag kann mir hier ganz traditionell seinen Blumen-Vorrat auffüllen und sich von Marktschreier einen Tinitus geben lassen. Hier gibt es 50 Tulpen “for a fiver”, die Luft duftet nach Lilien und frischen Rosen und man hat das Gefühl in eine andere Welt einzutauchen. Definitiv eine Reise wert.

Ein Blick auf die Uhr, der Nachmittag war angebrochen und es blieb nicht mehr viel Zeit für wahlloses Flanieren. Denn um 19 Uhr mussten wir bereits den Heimweg antreten und eingecheckt am Flughafen sein. Also taten wir, was wir tun mussten und ließen dieses wunderbare Wochenende im The Light Pub auf der Shoreditch High St. ausklingen. Im Biergarten schlürften wir unser bis dato erstes alkoholisches Kaltgetränk und hibbelten wehmütig auf den Bänken. Hier möchte man länger bleiben. Vielleicht nicht leben – denn um Gottes Willen, wie soll man das alles bezahlen – aber wir fassten den Entschluss bald wieder zu kommen. Denn London gibt dir das Gefühl auch nach der 10. Reise noch nicht alles gesehen zu haben.

Goodbye, old Lady. Thanks for having us.

Und nächste Woche gibt’s dann 2NIGHTS-Eindrücke aus Cannes, Istanbul und Madrid. Also bleibt dran!

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Über 2NIGHTS: 2N ist eine Kooperation zwischen i-ref Magazin und easyJet. Europas Flugnetz Nummer 1 unterstützt seit April 2012 als exklusiver Partner das neue Reiseformat der Berliner Kulturredaktion. Der orangefarbene Günstigflieger fliegt auf mehr als 600 Strecken zwischen 129 Flughäfen in 29 Ländern. Ab Berlin hebt easyJet zu 37 Zielen ab. Unter dem Titel 2NIGHTS gehen die i-ref Autoren auf Erkundungstour und berichten aus 20 Regionen über die kulturelle Vielfalt Europas. Das Besondere: Jeder Trip dauert nicht länger als drei Tage und zwei Nächte. Ziel ist es, den Lesern zu zeigen, wie einfach es sein kann, sich eine kleine Auszeit zu gönnen und darüber hinaus Europa aus nächster Nähe zu entdecken.

Bisherige Stationen: London (Tag 1)

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