Im letzten Jahr habe ich circa 283 ästhetisch anspruchsvolle “Manufacturing Videos” gesehen. Mit “Manufacturing Videos” meint das Internet: Kleine Filmchen über traditionelle Handwerksbetriebe oder junge, hippe Mittdreißiger aus urbanen Ballungsgebieten, die genug von ihrem 9-5 Job haben, eine kleine Garage anmieten und anfangen Kaffee zu rösten, Ledertaschen zu schneidern oder Messer zu schleifen. Dabei zeigt das anspruchsvolle filmische Auge dann Werkstätten in Detailaufnahmen und alte Maschinen die von schmutzigen Händen bedient werden um qualitativ hochwerte Dinge herstellen.
Der Hand-Made-Hype erreichte 2011 einen Höhepunkt. Das mag zum Einen an uns Kindern der 80er liegen, den Jüngern der geplanten Obsoleszenz, die lieber billig und viel, statt teuer und wenig kaufen. Mit einer fast hypnotisierenden Wirkung konsumieren wir Vimeo-Videos über “echte Handarbeit”, einer aussterbenden Gattung, die die szenige Avantgarde -Gott sei Dank- wieder für sich entdeckt und in die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts retten wird.
Ben Proudfoot bettet seine Doku Ink & Paper in genau dieses Genre ein. Sein Film über Los Angeles letzte Druckerei und ältesten Papierladen ist nicht besonders neu oder anders als seine beschriebenen Vorgänger. Doch schafft es diese Mini-Doku nicht nur die blumigen Hinterzimmer-Atmosphäre kleiner Werkstätten einzufangen, sie bildet in erster Linie die harte Realität ab. Proudfoot begleitet zwei selbständige Männer, die Schwierigkeiten haben, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Obwohl der eine sogar Bill Clinton als Kunden hat…
Wir finden: sehr gelungen.
Weitere Infos bekommt ihr auf benproudfoot.com.
Weitere schöne Filmchen über Menschen, die Dinge herstellen:
via welikethat

