Sei verdammt! Du süßer “Little Printer”




Wir sind jung, unabhängig und hip. Wir sind trendbewusst, intelligent und angesagt. Wir wissen was wir wollen. Wir wollen einen putzigen kleinen Drucker der unseren Schreibtisch UND unser Ego aufwertet! Oder?

Little Printer!
Little Printer ist DAS Gadget das im gutsortierten post-strukturalistischen Eigenheim auf keinem Mahagoni-Sekretär neben MacBook Pro und iPhone nicht fehlen darf! Im schnuckeligen Kleinformat, offensichtlich kassenzettelbreit, schafft es Little Printer unsere persönlichen Notizen, Einkaufszettel, Geburtstage und Tagesabläufe in Supermarktquittungsqualität auszudrucken und dabei auch noch so unglaublich SÜSS! auszusehen.

Lange Jahre haben wir auf ihn gewartet – ohne uns dessen bewusst zu sein. Doch sobald wir ihn kennen, wollen wir ihn besitzen. Eine unerklärliche Anziehungskraft muss dieser kleinen Maschine innewohnen:
Wenn man die Statistiken der Videouploadseite vimeo.com studiert (350.000+ Views am zweiten Tag), wird klar dass es einen unwahrscheinlichen Bedarf an diesen Miniaturprintern gibt.

Eingesteckt in den Router, konfiguriert sich der kleine Frechdachs selbst, verbindet sich mit Laptop, Desktop, iPad oder Smartphone und wählt mit Hilfe einer sich im Web befindlichen Festplatte sämtliche zur Verfügung gestellten Portale, Services oder Apps an, fragt die dort seit dem letzten Check neu generierten Daten und Informationen ab und verschriftlicht diese schließlich auf einer Thermo-Papierrolle. Ganz schön doll! Ganz schön gruselig.

Einerseits ist kulturell evident, dass wir im Innern nur auf etwas neues Kleines von solch großem Nutzen gewartet haben. “Es würde alles so viel einfacher!”, hört man die potenzielle Yuppie-Käuferschaft lamentieren. Wir besäßen ein analoges Informationsspeicherungsgerät, ganz old-school, ganz haptisch – damals nannte man es Notizzettel. Nun allerdings mit Geburtstagen, Soduko-Rätsel, Status-Updates, Mails und Bewegungsabläufen. Nichts verschmiert; keine Sauklaue, die das dechiffrieren der Buchstabensuppe erschwert.

Andererseits dokumentieren wir nun uns selbst wie Maschinen, deren Prozesse gemessen und studiert werden können. Wir erhalten von unserem Little Printer einen Belegabzug und eine Bilanz, zur Selbstkontrolle/ -evaluation. Wir führen Buch, überwachen uns selbst. Die schleichende Autobiographie.

Mehr Disziplin und weniger Schusslichkeit sind vielleicht das Resultat.

Trotz allem erinnert das Prinzip stark an die Werbung dieses Mobilfunkherstellers Buchstabe + Zahl aus dem vergangenen Jahr. Die in der die portablen Kommunikationsendgeräte die Rechnungen unmittelbar während des Telefonats ausspiehen… und das Papier einfach nicht aufhörte zu sprudeln.

Die Vorstellung eine solche Haushaltshilfe zur Verfügung zu haben, die ist verlockend. Unser busy busy HighEnd-Fashion-PR-Artsy-Mitte-Szene-Leben liefe so viel geplanter ab. Wenn wir wirklich aber doch so wichtig sind sollten wir realistisch bleiben und im Auge behalten, dass das Ganze auch Überhand nehmen kann.

Little Printer
druckt Termine, Verabredungen, Dates. Reservierungen für Abendessen, Kino, Bahnfahrten, Flüge. Einladungen für Geburtstage, Vernissagen, Konzerte. Facebookstatus-Likes und -Kommentare. E-Mails.

Little Printer
ist auf Duracell und Extacy. Und druckt und druckt und druckt…
Wie in der Mobilfunkanbieterreklame.

Und wir? Wir stehen bis zum Hals in Thermopapierwürsten aus digitaler Scheiße und kommen – allem zum Trotz – mit Nichts mehr hinterher.

Für alle die sowieso nur die Bilder angucken: Hier gibt’s mehr Infos zum kleinen Racker.

via ponytailpoint.tumblr.com

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1 Kommentar

  1. Thermodrucker? Auf dem Schreibtisch? Uhhhm lasst mich überlegen, Nein, genau das Gadget was ich überhaupt nirgends haben will.
    Es ist noch net so lange her, da ging die Geschichte mit Bisphenol A rum und was es mit unserer Fruchtbakeit und unserem Körper tut. Krebs erzeugen, Erbgut verändern und das schon bei geringsten Mengen?

    Krebsdrucker aufm Tisch? Nein Danke!

    Hier mal nen Link zum Thema aus der FTD:
    http://www.ftd.de/wissen/leben/:gefahr-fuer-die-gesundheit-kassenbons-mit-chemikalien-belastet/60091828.html

    Sorry Jungs, “Not my piece of cake”

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