BELGRADE in BERLIN

Belgrad oder “Die weisse Stadt”, wie sie übersetzt heißt, hatte nie eine Glanzzeit, kam nie in den Verdacht ein Paris des Ostens zu sein, und wurde selten genannt, wenn es darum ging, die schönsten Städte Europas aufzuzählen. Belgrad wurde unzählige Male zerstört und vom Rest der Welt immer wieder vergessen.

Es wurde in den letzten Jahrzehnten das Synonym für einen Ort der Abneigung und Gewalt und das, obwohl die Unbekannte auf dem Balkan auf den zweiten Blick ein mystischer, urbaner Moloch und das letzte Zeugnis eines Landes ist, welches nicht mehr existiert - Jugoslawien. In dieser Stadt auf dem Balkan trennten und begegneten sich einst Orient und Okzident, und noch heute spiegeln sich die Spuren der unterschiedlichen Kulturen in einem vibrierenden Dialog im Stadtbild wider.

Früher war Belgrad das Zentrum eines Landes, in dem sich eine bunte, ethnische Vielfalt von Menschen als Zeugen ihrer wechselhaften Geschichte verstanden. Heute ist es die Hauptstadt Serbiens, welche auf Hochtouren daran arbeitet, den Anschluss an eine westliche Welt zu finden. Dadurch verblassen allmählich auch die letzten Spuren der einstigen Republik Jugoslawien und mit ihnen die Wehmut und der Zauber, die diesem Ort seinerzeit seinen einzigartigen Charakter gaben. Der Geist dieser Stadt wurde auf Boris Kralj’s langjährigen Reisen nach Belgrad fotografisch eingefangen und zeigt sich in den Gesichtern seiner Einwohner, manifestiert sich in den maroden Fassaden der Häuser und wird durch die kyrillischen Schriftzüge auf den bröckelnden Oberflächen ihrer Häuser kommentiert: Zeithistorische Dokumente eines magischen Ortes.

MY BELGRADE

Wo? Galerie Most, Propststr. 1 -Eingang von der Spandauer Straße-10178 Berlin
Wann? Täglich von 12.00 -18.00 Uhr

Über Boris Kralj: Boris Kralj wurde 1976 in Göppingen als Sohn jugoslawischer Eltern geboren. Er studierte am Lette-Verein in Berlin Fotografie, mit dem Schwerpunkt Mode und Dokumentation. Während seiner langjährigen Arbeit im Modebereich, als Fotograf und Scout, nimmt das Interesse der elterlichen Herkunft durch die Balkankriege einen großen Einfluss auf sein Schaffen. Neben der Vorliebe für inszenierte Mode und Porträtfotografie fasziniert ihn die Dokumentation der ungeschönten Realität.

Boris Kralj hat bisher für diverse Modelabels und Zeitschriften gearbeitet und viele Künstler und Schauspieler portraitiert. 2011 gründete er einen Verein, in dem regelmäßig Filme aus Ex- Jugoslawien gezeigt werden. Sein Bildband „My Belgrade“ ist das Ergebnis dieses langjährigen Projekts und wird von der bevorstehenden Ausstellung September begleitet.

Boris Kralj lebt und arbeitet in Berlin.

 

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