i-ref in Südtirol – Tag 4: Irgendwann kommen alle zurück




Hört man das Wort Südtirol, denkt der ein oder andere schnell an alte Heimatfilme, Trachten, jodelnde Bäuerinnen und Kuhglocken. Stimmt. Doch dieses Land, das weder gänzlich zu Italien gehören möchte, sich noch als Teil Österreichs versteht ist weit mehr als das. Wir trafen in den letzten Tagen Menschen, die genau wie wir modern, jung und aktuell denken. Viele Südtiroler verlassen daher für eine längere Zeit die Heimat – meistens nach dem Abitur, wenn das Fernweh bei allen das größte ist – und reisen um die Welt. Oder sie besuchen Unis im In- und Ausland um die Kreativität auszuleben und kosmopolitische Luft zu schnuppern. Mit einem besonderen Unterschied: Sie kommen allesamt wieder, sie kehren zurück in die Heimat. Zumindest ein überdurchschnittlich großer Teil – auch die Weltenbürger unter ihnen.

Wieso, fragten wir uns.

Wir trafen Martina Mayr, eine sympathische junge Innenarchitektin, die nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Venedig und einem Innenarchitekturstudium in Mailand zurück kam – zum Hof ihrer Eltern nach Lengstein am Ritten. Hier gibt es keinen Autolärm, keine Bars, keine Fitnessstudios, keine Einkaufszentren. Hier gibt es Ruhe, grüne Wiesen und riesige Bauernhöfe mit noch unvorstellbar größeren Grundstücken. Der des Penzl Hofes, so der Name der paradiesischen Behausung von Martina, zählt 54 Hektar Land sein Eigen. Dazu gehören Wälder, Acker, ein liebevoll gepflegter Garten, eine Scheune und zwei stattliche Häuser. Beide wurden umfunktioniert und zu Ferienwohnungen umgebaut, jedes Zimmer wie aus einem Design Katalog umgestaltet. Natürlich von Madame Mayr selbst.

Ich habe zwar auch Freunde die nie wieder gekehrt sind, aber fast alle kamen zurück nach Hause.

Der Hof war schon immer im Besitz der Familie. Mit “schon immer” meint Martina aber nicht 50, sondern mindestens 500 Jahre. Und da das eine Menge Holz ist, besteht ein außergewöhnlicher Bezug zur Region und Immobilie – nicht nur aus Traditionsbewusstsein. Ein sehr offensichtlicher Grund ist die phänomenal hohe Lebensqualität. Es ist diese Luft, diese klare, frische Luft, die Ruhe und der Blick auf die Berge. Das ist unbezahlbar und macht süchtig – auch uns. Hier, wo früher Kaiser und Könige über die alte Römerstraße zogen und im Hof Rast machten, wird das Alte gepflegt, respektiert und mit Modernem gemischt. Nichts wirkt verkleidet, die Atmosphäre einmalig.

Wir sprachen mit ihr über offensichtliche und versteckte Unterschiede unserer Herkünfte. Immer wiederkehrend: das Unverständnis vieler Südtiroler für Fertigessen und Fast Food Restaurants. Verständlich, Zustände dieser Art sind hier Lichtjahre entfernt. Das Gemüse wächst im Garten, der Speck kommt vom glücklichen Schwein und der Apfel wurde eben gepflückt. Während im deutschen Privatfernsehen ganze Sendung dem Thema “Wo gibt’s die Dr. Oettker Mischung am günstigsten” gewidmet wird und an jeder Ecke ein Discount Supermarkt das Landschaftsbild bestimmt, leben die Menschen in Südtirol eine entgegengesetzte Philosophie: Es muss nicht teuer sein, aber zumindest muss man wissen, wo es herkommt. Das ist zum Teil sehr italienisch, zu Teilen jedoch einfach nur gesunder Menschenverstand.

Uns überkam das Gefühl auf einmal spazieren gehen zu wollen, mehr Geld für gutes Essen auszugeben und die Bewunderung für die Liebe zum Heimatort, mag er noch so klein sein. Was für uns damals keine Rolle spielte als wir ausbrachen und uns alles interessierte, nur nicht das Leben der Eltern und die Geschichte unserer Kleinstadt, endet mit dem Wissen, dass im besten Fall die Heimkehr bereits mit der Abreise beginnt.

 

1 Kommentar

  1. Ein treffender Artikel. Genau so ist meine Lebensphylosophie. Auch aus diesem Grund schreie ich nicht nach KITAS und Tagesstätten sondern versorge so gut es geht meine 3 Mädels selbst. Natürlich gehören auch selbstgemachte Speien aus einheimischen Produkten auf den Tisch. Saisonales Gemüse und Obst und vieles aus dem Garten von den Eltern bzw. Bauern der Umgebung. Es lohnt sich! Meine Kinder haben beim ersten MC Besuch die Nase gerümpft und gemeint, dass es so stinkt, dass sie lieber nicht rein wollen!!!!!!! Das ist die Wahrheit!

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