Abbas Khider: Die Orangen des Präsidenten




Nach seinem viel gelobten Debüt Der falsche Inder, für das Abbas Khider 2010 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis erhielt, begeistert der aus dem Irak stammende Autor 2011 mit seinem im Frühjahr erschienenen Roman Die Orangen des Präsidenten.

In dem Roman erzählt Abbas Khider die Geschichte des jungen Irakers Mahdi. Dieser wird am Tag seiner Abiturprüfung festgenommen. Dem knapp 18-jährigen wird politischer Verrat vorgeworfen und obwohl die Anklage später fallen gelassen wird, verbringt Mahdi die nächsten zwei Jahre hinter Gittern. Sein Schicksal teilt er mit anderen politischen Gefangenen. Zusammengepfercht auf wenige Quadratmeter hausen sie unter der Erde, ohne Tageslicht, ohne ausreichend Nahrung und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Der Jugendliche muss mit ansehen, wie seine Mitinsassen an den Folgen der Folter sterben, sich aus Verzweiflung umbringen oder der körperlichen Erschöpfung erliegen.

Mahdi halten nur seine Erinnerungen am Leben: Seine Kindheit in Babylon, die Liebe seiner Eltern, seine Freundschaft zu dem Christen Jack und dessen Schwester Rosa – seiner ersten Liebe, sowie die wunderbare Bekanntschaft mit dem Taubenzüchter Sami, der ihn mit seiner Begeisterung für Tauben ansteckt und ihn mit seinen Geschichten in eine neue Welt entführt.

Dann, völlig unerwartet, ereilt die Häftlinge, die Nachricht, dass der Geburtstag des Präsidenten bevorsteht und damit die Aussicht auf Amnestie. Doch die ganze Hoffnung auf Freiheit endet mit einem Kasten Orangen.

Erst, der Anfang der 90er Jahre ausbrechende Golfkrieg, erlöst die Gefangenen aus ihrer Hölle. Zurück im Leben, trifft Mahdi auf ein verändertes Irak: Die Präsidentenbilder sind verschwunden, kritische Stimmen werden laut, das Volk scheint Mut gefasst zu haben – Mut für Veränderungen.

Doch die Hoffnung ist nur von kurzer Dauer, Saddam Husseins Truppen gewinnen ihre Macht zurück und Mahdi bleibt nur die Flucht.

In präzisen und ungekünstelten Sätzen, zugleich witzig und märchenhaft, erzählt der in Deutschland lebende Autor die Geschichte des Iraks Ende des 20. Jahrhunderts. Zwar ist die Romanhandlung fiktiv, doch der Autor schildert Ereignisse, die er ähnlich erlebt hat. Abbas Khider musste die Willkür und Grausamkeit des Regimes von Saddam Hussein Ende der 80er Jahre selber erleben. Genau wie sein Protagonist Mahdi war er ein politischer Gefangener, 1996 gelang ihm die Flucht aus dem Irak und über Umwege kam er nach Deutschland.

Abbas Khider gelingt das Unmögliche, aus den Abgründen der Menschheit erschafft er eine wunderbare, wenn auch traurige Geschichte.

Die Orangen des Präsidenten gehört zu den Büchern, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal begonnen hat.

Abbas Khider: Die Orangen des Präsidenten
Edition Nautilus
März 2011
155 Seiten

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