Keine Freiheit – Ai Weiwei in China verhaftet



Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei wurde am Sonntag beim Versuch von Peking nach Hongkong zu reisen verhaftet. Am selben Tag wurden die Frau, der Neffe, sowie mehrere Mitarbeiter des prominenten Regimekritikers festgenommen und befragt. Von Ai fehlt seither jede Spur.

Dass das chinesische Regime ein restriktives ist und dass jeder der dort eine eigene Meinung äußert, die nicht dem Konsens des Staatsapparates entspricht, mit ernsthaften Konsequenzen zu rechnen hat, ist nichts Neues. Und doch schien Ai, unter anderem bekannt für das Vogelnest-Design des Pekinger Olympiastadions von 2008, aufgrund seiner Bekanntheit auch über die chinesischen Landesgrenzen hinaus, geschützt. Stimmen aus den USA und der EU werden nun laut, Kritik am chinesischen Regime wird geübt. Und doch scheint man in China, sicher nicht ungeachtet der jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt, jede Form von Widerstand im Keim ersticken zu wollen.

Dabei ist Ai Weiwei kein Revolutionär, vielmehr ein scharfer Beobachter und expliziter Kommentator. 2009 kleidete er das Münchener Haus der Kunst mit den Rucksäcken der beim Erdbeben von Sichuan verunglückten Kinder ein. 2010 übte er mit 100 Millionen handbemalten Sonnenblumenkernen im Tate Modern Kritik an Konsum und Massenproduktion.

Die Global Times, englischsprachiges Ventil der kommunistischen Regierung, veröffentlichte einen Artikel, in dem Ai als “Außenseiter der Gesellschaft” beschrieben wird, als jemand, der Dinge tue, “die sich andere nicht herausnehmen”. Einen solchen Kommentar könnte man hierzulande in einem wohlwollenden Künstlerportrait finden, nicht so in China. Der 53-jährige war in der Vergangenheit häufiger Repressalien ausgesetzt, jedoch schien ihm seine internationale Bekanntheit einen Status zu verschaffen, der ihn für die Regierung schwer greifbar machte. Nun fehlt seit Sonntag jede Spur von ihm. Angehörige und Freunde äußern sich höchst besorgt.

Die Nöte des Menschen sind ohne Zahl. Und doch kann ihm nichts Schlimmeres zustoßen als der Verlust der Freiheit.
– Ho Chi Minh

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