Rückblick: Malika Ayane im Berliner Admiralspalast



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Italo-Pop „ertrage“ ich eigentlich nur notgedrungen im italienischen Restaurant meiner Heimatstadt und ich wäre sicher eher misstrauisch zum Konzert von Malika Ayane (24) gegangen, DEM italienischen Shootingstar des jungen Jahres. Der Saal in der 4. Etage des Admiralspalasts jedenfalls ist gegen 21 Uhr gut gefüllt, als die zierliche Sängerin mit marokkanisch-italienischen Hintergrund fast schüchtern die Bühne betritt. Mit der rockig-frechen Coverversion von Kim Wilde’s 80er Hit „Keep me hanging on“ als Eröffnungsnummer, bläst sie innerhalb von Sekunden jegliche gehegten Zweifel und Italo-Schmacht-Klischees aus den Köpfen und der darauffolgende Applaus erfolgte vor Erstaunen etwas verzögert.


„Guten Abend, meine Damen und Herren, ich..ääh..freue mich sehr, dass Sie heute hier sind auf meinem Konzert“ sagt sie, charmant in gebrochenem Deutsch und fährt fort: „Meine Deutsch… kenntnisse sind… hm…. horrible?!“ Ihr Auftreten ist ehrlich, publikumsnah und man fühlt sich als Teil einer südeuropäischen Großfamilie, wenn Sie mit Ihren Bandmitgliedern scherzt. Diese stehen der Sängerin im sympathischen Auftreten in nichts nach und dank guter Tontechnik gehen Instrumentalisierung und Gesang Hand in Hand, anstatt sich gegenseitig zu dominieren. Von Backgroundsängern mit verrückter-Professor-Frisur und einem Rastafari mit Zorromaske sowie einem E-Cello: die Band um Malika ein ist absoluter Hingucker.

Die Songs nehmen uns mit auf eine Reise von verwegenen Swingclubs in New York, über einen melancholisch-schönen Chansonabend in einer Pariser Nacht und verrauchten Jazzclubs in London bis hin zum “klassischen” Italo-Pop. Ihre Musik vermittelt Gefühle wie das durch-die-Hände-gleiten von Strandsand und nächtlichem Trommeln von Regentropfen an der Scheibe. Beim Song „Satisfy my Soul“ entzündet sich dank der wunderbaren Stimme ein Gefühlsfeuerwerk und man möchte dazu in die Luft springen um wie in Zeitlupe wieder zu landen. Geradezu geschaffen für einen Tarantino-Soundtrack, legt Ayane ihr Temperament und Authentizität so vortrefflich in ihre gewaltige Stimme, dass sich Melody Gardot und Adele warm anziehen müssen.

Zum Abschluss des Konzertes sagt sie noch schmunzelnd:

The best way to live… is to smile.

Ihr aktuelles Album heißt Grovigli, ist seit dem 19 Februar im Handel und genau das Richtige, um an einem Sonntagmorgen den Frühling zu zelebrieren.

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