




Im Zeitalter der digitalen Fotografie wird geknipst, was der Lithium-Ionen-Akku hergibt. Der Zeigefinger ist frenetisch in der unmittelbaren Umgebung des Auslösers, keiner muss sich Sorgen machen, dass der Film bald zu Ende ist, denn die Gigabyte starke SD-Karte erlaubt tausende Schnappschüsse. So geht der Tourist 2.0 mit der Linse, statt dem eigenen Auge, durch weitenfernte Metropolen, zu den kulturellen Schauplätzen anderer Länder, stets in Bereitschaft den An- und Augenblick für die Ewigkeit – und die (Online-)Freunde – festzuhalten. Selbstverständlich steht das fotografische Resultat unmittelbar nach der Aufnahme per geo-tagging bei google auf diversen sozialen Plattformen.
Corinne Vionnet hat sich mit ihrem Projekt Photo Opportunity zur Aufgabe gemacht, diese “Vielfalt” von immergleichen Bildern, stets selben Motiven zu kollektieren und daraus EIN Bild zu machen. Hunderte Bilder von Eiffelturm, Brandenburger Tor oder den Petronas Towers hat Vionnet übereinandergelegt. Das Ergebnis ist beeindruckend und langweilend zugleich: Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen, die in Scharen zu den “Sehenswürdigkeiten” unseres Planeten pilgern, einzig um dort gewesen zu sein und genau das gleiche Bild zu machen wie es schon so viele zuvor taten.
Maybe we stand at the gateway to the Taj Mahal to render its architectural façade in perfect symmetry, or we stand where we can frame all four American presidents in equal scale at Mount Rushmore. Perhaps we instinctively choose how to photograph known monuments as we are socially conditioned to take pictures we have seen before – images popularized through film, television, postcards, and the Internet.
Ob Corinne damit sagen will: “Lasst es doch einfach, es gibt schon genügend davon” oder “Werdet endlich kreativer!” sei dahingestellt.

all images © Corinne Vionnet
via welikethat

