Die Verachtung – Zum 80. Geburtstag von Jean-Luc Godard



[youtube I6pOXjQLh7Y]

Sie wollten ihm den Ehrenoscar verleihen in diesem Jahr, doch der Meister blieb fern. Jemandem, der das Kino genauso leidenschaftlich auseinandergenommen, wie geliebt hat, der sich dem aufpolierten Hochglanzapparat stets verwehrt und mit Truffaut und Co. die Autorentheorie aus dem Boden gestampft hat, den höchsten Preis der Maschinerie Hollywood zu verleihen, da scheint schon im Ansatz völlig widersprüchlich. Doch vielleicht hat man dort nach À bout de souffle und Le Mépris aufgehört seine Filme zu schauen, in diesen kann man sich immerhin noch mit den schönen Darstellerinnen ablenken und sich tieferen Ebenen der Erzählung verschließen. Ab da fordert Godard absolute Gefolgschaft. Sowohl ein umfassendes Wissen der Historie des Kinos, sowie überhaupt von Allem scheint die Voraussetzung zu sein, einem Godard gewappnet gegenüber zu treten. Die Flut aus Zitaten, Anspielungen und Versatzstücken aus der Welt der bewegten Bilder, sowie die stets omnipräsente vision du monde des Regisseurs selbst können hier zu Tode langweilen und andernorts die persönliche Katharsis verursachen.

Der Autor des Artikels muss gestehen, noch bei jeder Sichtung von Made in USA eingeschlafen zu sein, bei Bande à parte allerdings verspürt er das Bedürfnis in den Bildschirm zu kriechen. Überhaupt ist die Unterscheidung von Früh- und Spätwerk bei Godard eine so elementare, wie vorurteilsbehaftete. Wer das Œuvre des Regisseurs in charmante Filme der 60er und marxistisches, anstrengend ideologisches Autorenkino danach teilt, tut ihm Unrecht und verpasst vieles.

Früher oder später war wohl jeder einmal in einer Wohngemeinschaft zu Gast, in der ein Poster von Belmondo und Seberg hängt, oder nur von Seberg, auf der Champs-Élysées im Herald Tribune-Shirt. Doch Godard ist mehr als die Ikonographien seines Debutfilms, mehr als die eigenen donnernden Zitate. Es sei jedem wärmstens ans Herz gelegt mit Lemmy Caution in Alphaville der Maschinenwelt zu trotzen, mit Anna Karina in Une femme est une femme die Vaterschaftsfrage tanzend ad absurdum zu führen, mit Pierrot le fou an der Liebe, bei Prénom Carmen am eigenen Verstand oder in Week-End gleich an der ganzen Welt zu zweifeln.

Manch einer wird sich fragen wozu er noch die letzten drei Buchstaben im Namen trägt.

Joyeux Anniversaire!

Kommentar schreiben