Filmtipp: UNLIKE U – Trainwriting in Berlin



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Was geht in Menschen vor, die süchtig danach sind Züge zu besprühen? Ist es der pure Reiz des Vandalismus, des Illegalen… der sie antreibt? Wollen sie Sprachrohr einer wütenden, künstlerisch missverstandenen Generation sein? In Berlin riskieren junge wie erwachsene Menschen hohe Geldstrafen, investieren Erspartes und all ihre Zeit in Sprühdosen. Dabei ist der Preis hoch und sorgt nur in einer kleinen Szene für Anerkennung.

UNLIKE U von Henrik Regel und Björn Birg blickt ungewöhnlich ehrlich auf eine harte Untergrundbewegung der Berliner Hauptstadt. Die Dokumentation beleuchtete vier Generationen von Sprayern, die ihr Leben der extremsten Form der Graffiti-Kunst opfern: dem Trainwriting.

Die Filmemacher erwecken mit teilweise noch nie gesehenen Aufnahmen den Mythos um die Berliner Writerkultur zum Leben, geben gut recherchierte Einblicke und lassen den Zuschauer in die geheime Parallelwelt eintauchen. Über sieben Jahre wurde an der Fertigstellung von UNLIKE U gearbeitet. Heraus kam nun ein einfühlsames Portrait über fanatische Sprayer, soziale Abgrenzung und Realitätsverlust.

Heute ist Donnerstag halb vier morgens. Ich bin wach. Die vierte Nacht in Folge. Wecker auf halb zwei und raus aus dem Bett. Kälte? Müdigkeit? Egal. Ich muss raus. Ich muss wissen, wann die Typen ihre Runden drehen. Wir wollen das Ding bunt machen und müssen wissen, wann diese beschissenen Checker ihre Pause machen. Das gehört dazu. Da sind wir akribisch. Da sind wir vorsichtig. Alles andere ist gefährlich. Deshalb gibt’s auch keine Handys, keine Mails. Alles face to face. Die SoKo ist überall. Die wollen unseren Arsch, aber wir sind gut. Gut, schnell und vorsichtig. Auf der Arbeit fragen sie mich die ganze Zeit, ob ich krank bin. Ich habe Augenringe. Ich habe in dieser Woche vielleicht 12 Stunden geschlafen. Alles für die eine viertel Stunde. Wir wissen jetzt, wann wir es machen können. Alles nur für den einen Zug. Eine viertel Stunde muss reichen. Dann ist das Ding bunt und fährt. Dann kann ich vielleicht wieder schlafen, aber dann wartet schon der nächste Zug. Ist so. Ist immer so. Immer on the run. No Sleep Till Brooklyn. Einfach on the run!

Mehr Infos gibt es hier.

via hope/glory

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