Around The World: Unser Südostasien – ein Rückblick

Land: Thailand / Malaysia

Sechs Wochen lang sind wir durch Teile Südostasiens gereist, haben die 11 Millionen-Stadt Bangkok erlebt, eine Art stinkendes, brüllendes urbanes Riesen-Mallorca; sind in den Süden gefahren mit seinen tolle Stränden, Buchten und Inseln; haben den Schritt nach Malaysia getan – Penang und Kuala Lumpur – um anschließend noch mal zurück in Thailand den Norden und Westen des Landes zu sehen: Chiang Mai mit seinen unzähligen Tempeln, den Karen Long Neck-Dörfern und Kanchanaburi, dass durch den Film “Die Brücke am Kwai” bekannt wurde und Schauplatz grausamer Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg war.

Allein in Thailand konnten wir neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten vier verschiedene Landschaftstypen sehen: Tropische Inselgruppen im Süden, kühlere, dicht bewaldete Bergregionen im Norden, im Westen war es erstaunlich trocken, sodass sogar Kakteen wachsen; Bangkoks Umgebung erscheint sumpfig und ist sehr flach. Auf Penang und um Kuala Lumpur erlebten wir echten tropischen Regenwald.

Thailand ist ein sehr tourismusgeprägtes Land. Nahe der “echten” Orte sind ganze Touristen-Trabantenstädte entstanden, in denen die Thais die Minderheit in der Bevölkerung stellen und in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros und anderen Servicebereichen arbeiten. Alles ist auf den Tourismus ausgerichtet. Die Tourism Authority Thailand vergibt Lizenzen an Reisebüros mit fünfstelligen Nummern. Diese Tourismusinfrastruktur macht das Reisen in diesem Land sehr leicht, egal ob für Luxus-, Pauschal- oder Rucksackreisende. Doch wie viel Thai steckt noch in Thailand und wie viel Thai will die Massen an Touristen überhaupt kennen lernen? Mancherorts scheint sich das Land geradezu zu prostituieren. Verständlich, dass die Tsunamikatastrophe von 2004 neben den menschlichen Schäden auch die Wirtschaft schwer getroffen hat.

Verlässt man – auch wenn es oft nicht so leicht ist – die stark frequentierten Touristenmeilen und besucht andere Gegenden, dann fällt auf, wie arm die Menschen leben, die offensichtlich nicht ihr Geld direkt oder indirekt über den Tourismus verdienen (können).

Doch bedeutet die Nähe zu Touristenzentren nicht automatisch eine nicht versiegende Einnahmequelle wie Familien zeigen, die mitten im Khaosan Road-Kiez, dem Kiez der leichten Mädchen und Ladyboys und pulsierenden Herz Bangkoks, auf der Strasse leben. Abends um elf schlafen die Kinder bereits auf flachen Matten zwischen Rinnsteig und klapprigen Pick-up, der sie vor dem noch immer starken Straßenverkehr schützt, während die Eltern noch Früchte oder kleine Souvenirs versuchen an den Touristen zu bringen.

Bangkok oszilliert mit seinem Stadtbild zwischen Molloch und Moderne. Die Außenbezirke der Unterschicht und schlecht bezahlten Mittelschicht sind geprägt durch flach und unregelmäßig bebaute Wohngebiete, durchzogen von Industrieanlagen, Brachflächen, stinkenden (Abwasser-) Kanälen und breiten Straßenzügen. Auf den Eisenbahnstrecken durch die Stadt leben Menschen von und mit dem Schienenverkehr.

Im Zentrum findet der Besucher große Tempel- und Palastanlagen, breite Strassen und niedrige, zwei- bis dreigeschossige Bebauung – an manchen Stellen dichte Wohn- und Arbeitsviertel mit europäisch anmutenden Häuserblocks. Typisch sind die Geschäfte im Erdgeschoss, die für viele Familien auch die Wohnung darstellen. Das kommerzielle Zentrum Bangkoks ist modern: Hochhäuser, sterile Hotelkomplexe, die durch leblose Straßen, die ausschließlich dem Autoverkehr dienen, mit den klimatisierten Shoppingmalls verbunden sind, in denen die besser verdienenden Schichten der Stadt bei Gucci, Prada oder Topshop einkaufen gehen. Über der Haupteinkaufsmagistrale führt auf zwei Ebenen eine Hochbahntrasse der sogenannten Skyline, einer von vier U-Bahnlinien der Stadt, die mit wenigen Ausnahmen im Stadtzentrum verkehren und nur wenig genutzt werden – der öffentliche Massentransport findet hauptsächlich mit Bussen statt, deren Fahrpreise sich die Menschen eher leisten können. Die Betonbrücken und -pfeiler der Bahnstrecke überwölben die Strasse und verdunkeln das Leben unter sich. Ein Mahnmal, zu was moderner Städtebau führen kann.

Im Süden des Landes sind wir einem weiteren Phänomen begegnet, das verblüfft: auf der Insel Koh Phi Phi und anderen Inseln hörten wir fünf Mal am Tag den Ruf des Muezzins. Über 95% der Menschen in dieser Region sind Muslime. Sie können ihren Glauben ausüben, der Ruf zum Gebet krächzt aus Megaphonen von den Moscheen. Daneben gibt es weiterhin viele buddhistische Tempelanlagen.

In Malaysia hingegen ist der Islam Staatsreligion, hier sind insgesamt 60% der Bevölkerung Muslime. Daneben leben dort viele Inder, Tamilen, Thais und Chinesen, die ihren eigenen Glaubensrichtungen folgen. Auf der Straße oder in den öffentlichen Bussen herrscht ein scheinbar friedliches Miteinander: alle Kulturen und (nach außen sichtbare) Religionen sitzen zusammen, reden und handeln offen miteinander. Doch dürfen Muslime keine Angehörigen anderer Religionen heiraten und der Austritt aus dem Islam wird im Einzelfall von einem Schariagericht untersucht und entschieden, was den Aufenthalt in einer Umerziehungsanstalt nach sich ziehen kann. Wie groß die Kluft zwischen die einzelnen Ethnien der malaysischen Gesellschaft sein kann, zeigte der Eifer und die Aufgeregtheit, mit der die Kinder unserer wunderbaren Gastgeberin Annie auf Penang ihre Geschichten aus dem Schulalltag erzählen. Auch in der Schul- oder Bildungspolitik werden knallhart die Interessen der einzelnen Bevölkerungsteile ausgefochten, wobei sich Inder und Chinesen als zahlenmäßige Minderheit, jedoch ökonomisch starke Gruppe zusammentun, um ihre Interessen durchzusetzen.

Neben diesen kleinen Einblicken wirkt Malaysia reicher, eigenständiger und selbstbewusster als Thailand. Die Tourismusinfrastruktur war hier lange nicht so dominant. Dennoch sind wir gut voran gekommen und sehr gerne in dem Land gewesen. Die Mitarbeiter diverser Bankfilialen waren uns bei unserem Kartenproblem sehr behilflich. Beide Länder bieten viel mehr, als wir haben sehen können und wir kommen gerne wieder.

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A.T.W.: Mit i-ref einmal um den Globus. Seit Juli 2010 berichtet Autorin Julia Schwabe auf www.i-ref.de von in ihrem 180-tägigen Trip um die Erde und gewährt zusätzlich private Einblicke in das Leben zweier Menschen, die wohl erst jetzt realisieren, wie klein die Welt doch ist.

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