i-ref in Zürich: smart urban stage, HopeHope & Senior Design



Zürich, September 2010: Zum Auftakt unserer neuen Medienpartnerschaft mit smart urban stage reisten wir für einen Tag in die Schweiz um uns vor Ort einen Überblick zu verschaffen.

smart urban stage, ist eine von smart kuratierte Ausstellungs-Plattform, welche 2010 quer durch Europa tourt und zusammen mit den jungen Kreativen der jeweiligen Städte über Visionen künftigen Lebens sinniert. Allen voran steht jedoch die Kür der Veranstaltung: Die Platzierung einer neuen Form der Fortbewegung – smart fortwo electric drive.

Nach Berlin und Rom ist Zürich die dritte Station der Veranstaltungsreihe. Paris, Madrid, Brüssel, Amsterdam und London folgen. Vom 21. August bis 12. September 2010 werden im Architekturkonzept der Location Puls 5 zehn nationale Projekte und ein internationales Projekt aus den Bereichen Gesellschaft, Design, Architektur, Medien, Wissenschaft und Mobilität in einem eigens gebauten temporären Raum vorgestellt.

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Dabei fielen uns zwei Projekte besonders auf: Die Senior Design Factory von Debora & Benjamin Moser und das allumfassende (Blog/PDF/Print) Magazin HopeHope von Initiatorin Marisa Pichler.

Mit der Senior Design Factory haben Debora und Benjamin 2008 im Anschluss an ihre Diplomarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste ein Vorzeigemodell für generationenübergreifendes Zusammenleben und Arbeiten ins Leben gerufen. Handwerkliches Können älterer Menschen trifft hier auf Design-Ideen der jungen Generation. Die Gründer knüpfen damit an eine Thematik des oftmals Vergessenen an:

Demografischer Wandel und Überalterung der Gesellschaft prägen die Zukunft der Stadt. Jüngere und ältere Generationen entfremden sich zusehends, immer mehr ältere Menschen vereinsamen. Neue Generationen übergreifender Lebens- und Arbeitsmodelle sind deshalb bereits heute sehr gefragt und werden in naher Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

Die Senior Design Factory bringt alte und junge Menschen als gleichwertige Partner zusammen und fördert durch gemeinsame kreative Projekte aktiv den Austausch unter den Generationen. Mit Erfolg, zahlreiche Ideen wurden bereits realisiert – durch die smart urban stage Zürich kam ein weiteres hinzu: Der größte gestrickte Rollschuh der Welt. Unter dem Motto “Cakes, Knit & Clatch” konnten Besucher gemeinsam mit Machern und Freunden das Ergebnisse tagelanger Strickstunden bewundern. Dazu sorgte eine Senioren-DJane für die musikalische Untermalung des Abend und verpasste dem Event den notwendigen Drive.

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Interview Marisa von HopeHope.ch

Bei strahlendem Sonnenschein nutzten wir die Gelegenheit die HopeHope Macherin persönlich zu treffen. Es war Marisas großer Tag: Am Abend wurde im Rahmen der smart urban stage Zürich die erste Printausgabe ihres Blogs/PDF-Magazins realeased. Den Schweizern ist die Plattform längst ein Begriff – alle Anderen, dürften spätesten nach dem Interview verstanden haben, welch engagierte Powerfrau hinter dem Projekt steht.

i-ref: Wer bist du?

MP: Ich heiße Marisa Pichler bin 28 Jahre alt und lebe in Zürich. Eigentlich komme ich aus dem beschaulichen Argau, der wohl beliebteste Kanton der Schweiz. Studiert habe ich in Basel und bin danach nach Zürich gezogen. An der Kunsthochschule Basel habe ich am Hyperwerk eine Mischung aus Interaction-Design, Medienkunst und Projektmanagement studiert. Post-Industrial Designerin ist der Bachelor Titel, darüberhinaus bin ich diplomierte Interaktionsleiterin – ferner habe ich den alten und den neuen Titel. Die meisten vestehen weder den einen, noch den anderen. (Lacht)

i-ref: Was ist HopeHope? Seit wann existiert die Seite und wie kam es dazu?

MP: HopeHope ist Blog und persönliche, professionelle Dokumentationsplattform zugleich. Ich arbeite als Interaktionsleiterin und Post-Industrial Designerin, mache unter anderem Gestaltungskonzepte und habe daher ein Blog ins Leben gerufen, auf dem ich meine Research und mein Portfolio dokumentieren und präsentieren kann. Irgendwann hat es sich dann immer mehr zu redaktioneller Arbeit entwickelt. Das läuft jetzt parallel, dass ich meine Projekte, kreative Arbeit und Inspirationen mit in HopeHope einfließen lasse.

i-ref: Demnach war deine Intention nicht das reine Bloggen, sondern mehr ein konzeptioneller Ansatz?

MP: Genau, das Blog hat viel mit meinem Studium zu tun. An der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel wurde sehr frei gearbeitet und jeder bekam am Anfang des Studiums ein Blog damit man seine Arbeit dokumentieren kann – 2003 war es also einfach ein Dokumentationstool für mich. Mir war lange nicht klar, dass Blogs überdies auch redaktionell genutzt werden können. Also entwickelte sich HopeHope erst in den letzten Jahren zu dem, was es heute ist.

i-ref: Dein Blog genießt derweilen den Ruf als bekanntestes Fashion Blogs der Schweiz – war das übergeordnete Thema Mode  als Aufhänger geplant?

MP: Naja, irgendwie war es schon geplant. Zuerst hieß das Blog „Design Process“, dann „100% Fat“ und nach dem Studium habe ich einen Namen gesucht, der mich thematisch nicht eingrenzt und alle meine beruflichen und privaten Interessen miteinander verbinden lässt, wie z.B. die Designprojekte, etc.. Ich wollte einfach mehrere Dinge zusammenbringen, aber mich jedoch nie als Stilbloggerin verstanden und sitze auch nicht bei Fashionshows im Publikum. Nein – ich bin einfach eine Gestalterin, die sich für Mode interessiert. Dazu arbeite ich noch als Stylistin und habe mich in meiner Ausbildung intensiv mit den kreativen Prozessen der Mode auseinandergesetzt. Aber Stilblogging ist ja eigentlich die direkteste Form der Gestaltung, in der man die Mode direkt an seinem Körper ausprobiert – das gefällt mir. Ich bin aber nicht diejenige, die sich durch Streetstyleblogs klickt. Bei mir hat das eine Automatik. Ich blogge das, was mir begegnet, wo und wie auch immer.

i-ref: Wie kam die Idee, Inhalte eines Blogs auch als PDF-Magazin zum Download anzubieten?

MP: In meinem Diplomprojekt hatte ich bereits solch ein PDF-Magazin („Transponsor Magazine“) erstellt, in dem ich eigentlich etwas über Lernprozesse machen wollte. Ich hatte vor, das Magazin wie einen Trendbericht im Bereich Lifestyle zu erstellen. Das war jedoch nicht leicht – viele lassen sich bei ihrer Arbeit nicht gerne in die Karten schauen. In diesem Zusammenhang fielen häufig die Begriffe Inspiration, Intuition und Prozeß.  Auf diesen Begriffen baute sich damals das erste PDF-Magazin auf. Es entstand eine Mischung aus Streetstyle-Fotos, Editorials von jungen Fotografen, urbaner Lebenskunst aus Zürich und vieler anderer und eigener Inspirationsquellen. Für mich ist es schwer zu beschreiben, was mein Magazin beinhaltet. Meine Arbeit ist einfach intuitiv und vereint alles, was aus mir herauskommt.

i-ref: Ist HopeHope eine One-Woman-Show, oder sind weitere Personen beteiligt?

MP: Ja ist es. Ich bin die Person hinter HopeHope. Aber das kennt ihr: Es besteht immer ein Netzwerk, mit dem man zusammen arbeitet. All das wäre gar nicht möglich ohne all die Menschen, die mir helfen.

i-ref: Wo ziehst du die Grenzen zwischen HopeHope das Blog, dem PDF-Magazin und dem Print-Magazin?

MP: In erster Linie ist es natürlich die Habtik. Das Magazin kannst du in die Hand nehmen und  fühlen – Papier und Glanz verändern den Inhalt, Fotos wirken anders. Außerdem bestehen zeitliche Unterschiede. Das Blog ist für heute, das PDF ist für den Monat und das Magazin findet seinen Platz im Regal: Du kannst es nach einem Jahr rausholen, dich erneut darüber freuen und damit beschäftigen. Die Tatsache, dass es etwas Festes ist und meistens an einem Ort bleibt, gefällt mir. Das Magazin ist für mich unabhängig von der Saison. Ich arbeite zusätzlich als Stylistin. Hier gilt es auf Bezugsquellen und saisonale Unterschiede zu achten. Das Magazin ist einfach frei von alle dem. Das Blog hingegen ist wie mein tägliches Leben. Hier poste ich Dinge, welche mich jeden Tag beschäftigen. Das Magazin ist wie die Kür: Man nimmt sich mehr Zeit und macht alles etwas intensiver und ausgewählter. Und ich fungiere als Kurator.

i-ref: Wird es künftig eine regelmäßig gedruckte HopeHope-Version geben?

MP: Etwas Gedrucktes herauszubringen ist heutzutage Luxus. Es ist wichtig, darauf zu achten, ob der Zeitpunkt stimmt und ob genügend Inhalte vorhanden sind, für die es sich lohnt Zeit zu investieren. Und natürlich macht es einfach Sinn, das Ganze mit einem Partner zu realisieren, in meinem Fall smart urban stage, nahezu eine perfekte Zusammenarbeit. Doch zu deiner Frage: Ich hatte schon lange den Wunsch eine Printausgabe von HopeHope zu produzieren – vorerst bleibt es jedoch bei dieser Ausgabe.

i-ref: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit smart?

MP: Die Eventagentur in der Schweiz hat gefragt, ob ich auf der aktuellen smart urban stage gerne ein Event hosten würde. Da ich in der Vergangenheit bereits Parties zu meinen PDF-Magazinen lanciert habe, die immer ziemlich lustig waren, lag es nahe mich zu fragen. Dennoch bin ich keine Veranstalterin und schmeiße grundlos eine Party – daher die Idee, den langen Wunsch nach einem Printmagazin zu verwirklichen und im Rahmen eines Events zu präsentieren. Heraus kamen 800 Examplare, die hier in Zürich an meinen Lienblingsplätzen ausliegen: im Café Sisu oder im Fashion Store Vestibule zum Beispiel.

i-ref: Stichwort Zürich – welche Ort sollten wir nicht missen und wo findest du ausserhalb des Internets Inspiration?

MP: Ich bin sehr gerne am Zürichsee, besonders bei schönem Wetter, wenn man die Berge sieht und alles ausschaut wie ein Postkartenidyll. Gerne sitze ich auch an der Bahnhofstraße mit einem Kaffee und beobachte Menschen. Die jungen Kreativen treffen sich natürlich woanders. Im La Perla zum Beispiel.

Vielen Dank für das nette Interview, Marisa.

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Und Dank Marisas Tipps, nutzten wir die verbleibenden Stunden für einen kurzen Abstecher in Zürichs traumhafte Innenstadt und genossen den Sonnenuntergang am Zürichsee, bevor es 22:00 Uhr zurück in die Hauptstadt ging.

Auf wieder lurga Züri: Wir freuen uns auf die nächste Station.

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11 Kommentare

  1. Ich hatte das smart Zelt ja schon in Berlin stehen sehen und wusste nie so recht was es damit auf sich hat! Scheint mir ein durchdachtes Konzept zu sein. Wie lange geht diese Tour?

  2. @ Anonymous: Die urban stage wird im September/Oktober in Paris, Oktober/November in Madrid und Dezember/Januar in Brüssel stattfinden. Amsterdam und London sind im Frühjahr 2011 dran. Weitere Städte 2011 sind in Planung.

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