Was ist mit Bob? – Bob Abdoulaye Kone

Es ist heiß in der Hamburger Trafalgar Lounge, die Luft steht, die kleine Bühne schwitzt unter dem Kreuzfeuer der Scheinwerfer, jedes Kleidungsstück ist zuviel – der falsche Ort für eine Modenschau, möchte man meinen. Bob Abdoulaye Kone sieht das anders, er hat die Location für die Präsentation der neuen Kollektion seines Denim-Labels Bobwear gewählt. Von Gnadenlosigkeit allerdings keine Spur: keines der Models behält seine Klamotten sonderlich lang am Leib.

Die verlässliche Wirksamkeit der seit Jahrzehnten zu den Grundfesten der Werbung gehörenden Kombination aus nackter Haut und Jeansstoff will Kone dabei als Motivation für seine Show-Choreographie nicht gelten lassen: „Meine Styles sind enorm begehrt. Je kürzer sie zu sehen sind, desto geringer das Risiko, dass sie kopiert werden.“ Die Aussage ist absurd. Sie verweist jedoch auf Realitäten in Kones Heimat Abidjan, deren Gültigkeit für sein Arbeiten Kone nichtsdestotrotz konsequent abstreitet: in der von jahrelangem Bürgerkrieg erschütterten Hauptstadt der Côte d’Ivoire muss jeder sehen, wo er bleibt.

Kone fällt es leicht, das auszublenden. Seine Bobwear-Kollektionen verkauft er in einer Boutique in Paris, sein Atelier, in dem er 17 Angestellte beschäftigt, liegt in Treichville, mit Hafen und zahlreichen Geschäften Handelszentrum von Abidjan. „Hier hat niemand Angst“, sagt Kone. „Man spürt nichts vom Krieg, jeder kann tun, was er möchte.“ Zu seinen besten Zeiten war der Stadtteil auch der Brennpunkt von Abidjans Nachtleben. Doch die Party zog weiter, sie findet heute auf der Rue Princesse im Stadtteil Yopougon statt. Hier traf Kone auch auf die Künstlerin Monika Gintersdorfer. Die war von der Amüsiermeile, deren wilder Puls vom Coupé Décalé hoch gehalten wird, längst fasziniert, nun verliebte sie sich auch in Kone. Die beiden heiraten, 2003 folgt Kone Gintersdorfer nach Hamburg.

Die Ehe hält nicht. Das Band aber ist geblieben: Kone hat für Gintersdorfers Theaterproduktionen mehrfach Kostüme entworfen und geschneidert, nun sind Bobwear-Modenschauen Bestandteil des Mash-Festivals „Rue Princesse“, in dem Künstler der Musik- und Theaterszenen von Abidjan und Hamburg, darunter Franck Edmond Yao, Jacques Palminger und Gotta Depri, aufeinandertreffen. Das dreitägige Festival läuft noch bis zum Samstag, den 4. September im Haus der Kulturen der Welt in Berlin und gastiert ab dem 7. Oktober auf Kampnagel in Hamburg. Dort gibt es keine Klimaanlage.

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