Gerald Blanchard – Wie im Film, nur besser

Unentdeckt baut sich Gerald Blanchard eine 15-jährige Kriminalkarriere auf, die ihresgleichen sucht. Der unscheinbare Junge aus der kanadischen Provinz, hier zu sehen, nachdem er mit 16 Jahren den Umsatz mit gestohlener Ware auswertet, wurde in den 90ern zu einem der berüchtigsten Diebe der Welt. Er war es, der 1998 den diamantenen Sisi-Stern aus Schloß Schönbrunn in Wien stahl – eine Filmreife Geschichte.

„Das Flugzeug wurde langsamer und pendelte etwa eine Meile über dem Boden.“ So beginnt eine Geschichte, wie aus einem Hollywood-Drehbuch. Im US-Magazin „Wired“ fanden wir den Artikel Art of the Steal: On the Trail of World’s Most Ingenious Thief, der über spektakuläre Details des Diebstahles vor zwölf Jahren in Schönbrunn berichtet.

Als mitte 20-jähriger reiste Gerald mit seiner damaligen Frau und seinem Vater ein halbes Jahr durch Europa. Wie jeder andere Tourist besuchte er Strände, Städte, Sehenswürdigkeiten und Museen. Der kleine Unterschied: er war auf Geschäftsreise. Was schon als Kind seine Leidenschaft war, machte er sich später für andere Zwecke zu eigen. Werken, schrauben, erfinden. Er knackte jedes Sicherheitssystem, war geschickt, wie nur wenige andere, ein unauffäliger Räuber. Mit einem Aussehen, wie ein strebsamer Computerkursleiter der hiesigen FHS, machte er sich alles andere als verdächtig. Aber in Wirklichkeit war Blancharf der Rain Main der Kriminalgeschichte – kein Security-Schlupfloch blieb unbemerkt.

Nachdem er an einem Sommernachmittag 1998 mit seiner Familie durch das berühmte Schloss Schönbrunn geführt wurde, fasste er nach wenigen Minuten den Entschluss einen der drei seltenen Sisi-Sterne aus dem hoch bewachten Turm des Schlossmuseums zu entwenden. Was niemand bemerkte, schon während der Führung lockerte Gerald die Schrauben des schützenden Glaskastens, observierte das Verhalten der Wachmänner und filmte die Beschaffenheit des Ausstellungsraumes. Er bereitete seine Tat innerhalb von Minuten minutiös vor. Das Schloss mit über 1000 Zimmern war zwar gut bewacht, doch das Dach des Turmes, indem der Diamantenstern ausgestellt wurde, nicht.

Also fackelte der Kanadier nicht lange, organisierte mit einem befreudeten deutschen Piloten ein Flugzeug, das ihn eine Nacht später über den Dächern des historischen Gebäudes abwerfen sollte. Gerald war nämlich nicht nur ein guter Heimwerker, sondern auch ein geübter Fallschirmspringer. Er landete gerade noch auf dem Dach, seilte sich ab und konnte sich über ein Fenster, das er am Vortag aufsperrte, unbemerkt Zuagng zum Schloss beschaffen. Ein waghalsiges Manöver. Im ehemaligen Frühstückszimmer der Kaiserin angekommen, entnahm er den Stern, ersetzte ihn mit einem vorher gekauften Replikat aus dem Souvenir-Shop und schmuggelte das wertvolle Stück später in einer Druckluftflasche seiner Taucherausrüstung zurück nach Kanada.

Der Diebstahl fiel erst Wochen später auf, als man bemerkte, dass es sich bei nicht etwa um das Original, sondern eine billige Kopie des Sterns handelet, die im Schloss zu sehen war. 9 Jahre später konnte Blanchard in Vancouver gefasst werden, der Stern wurde erst 2008 zurück nach Österreich gebracht.

Als er in diesem Zusammenhang umfangreich verhört wurde, kamen weitere unfassbare Taten ans Licht. Der “Hightech-Dieb”, wie er von einem Staatsanwalt genannt wurde, platzierte unter anderem eine Überwachungskamera im Rohbau einer Bank. So konnte er später Daten von EC-Karten ausspionieren und sich Zugang zum Tresor verschaffen.

Die unaufhaltsame Karriere des jungen Gerald begann damals bereits mit 6 Jahren, als er Nachbars Milch stahl. Seither ist er, wie er sagt, süchtig. Er ließ andere für sich arbeiten, bezahlte Anwälte um sein Geld zu verwalten und Verträge abzuschließen, als er noch nicht volljährig war. So kaufte er sich ein Haus, ohne das seine Mutter es bemerkte und sagte es gehöre einem Freund. Er kam am Ende auf beachtliche 40 verurteilte Straftaten. Einige male wurde er wegen kleineren Diebstählen gewasst, und konnte sogar aus dem Gefängnis entkommen:

In April 1993, Blanchard was nabbed by the cops in Council Bluffs, Iowa, for a suspected car arson and brought back to police headquarters. “They kept me in the interrogation room past midnight,” Blanchard says. “And at a certain point, I managed to sneak into the next room and slip through the tiles into the ceiling.” Undetected, he heard the cops run down the hall, thinking he’d gone out the fire escape. After waiting a couple of hours, Blanchard lowered himself down into the mostly empty station, stole a police coat, badge, radio, and revolver. After leaving a single bullet on the desk of his interrogator, he took the elevator to the main floor and strolled right past the front desk on his way out of the station. He hitchhiked at dawn back to Omaha on the back of a motorcycle, holding his purloined police cap down in the wind. “Why are you wearing a uniform?” the driver asked. “Costume party,” Blanchard said as the sun came up. “Really fun time.”

Ocean’s 11 & 12 & 13 wurde zwar schon gedreht, aber vielleicht ist diese Geschichte eine nette Inspiration für Ocean’s 49.

Bildquelle: WIRED

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