Schrille Post – Omar Souleyman


Die Menschen halten einander an den Händen und tanzen zur Dabke. Den hochtaktigen Rhythmus gibt ein blechernes Amalgam aus Mawwal, Choubi und gesampleter Baglama vor, das in gleichsam hypnotischer Unbeirrbarkeit aus den Boxen plärrt. In der Mitte der Gemeinschaft ein stoischer Zeremonienmeister, keine Geste zuviel, das Gesicht dank verspiegelter Sonnenbrille und gewaltigem Schnauzer bar jeder Mimik. Wir sind auf einer Hochzeit irgendwo zwischen As-Suwaida und Al-Hasaka. Der Mann heißt Omar Souleyman. Er ist der Superstar der Musikszene Syriens.

Zwischen 500 und 600 veröffentlichte Live-Tapes kennt die Legende um Souleyman, mindestens eines davon landete in den Händen von Alan Bishop und Hisham Mayet. Beide betreiben in Seattle das Label „Sublime Frequencies“, eine Fundgrube für Musik, die üblicherweise jenseits der Wahrnehmungsgrenzen der westlichen Welt liegt: in der Discography finden sich Soul-Aufnahmen aus dem Vietnam der frühen 70er, indonesischer Sixties-Pop, virtuoses Gitarrenspiel aus der Sahara – und mittlerweile drei Compilations von Souleyman.

Das optische Spektakel des Live-Auftritts transportieren die Tonträger dabei freilich ebenso wenig wie die ein ganz wesentliches Stück weit spontane Entstehungsgeschichte der Songs – und die Rolle von Mahmoud Harbi: der Poet erkundigt sich vor dem Auftritt nach Namen und Vita des Gastgebers und arbeitet sie in seine elegische Ataba ein. Auf der Bühne dann flüstert er diese Gedichte Souleyman ins Ohr, der ihnen Stimme verleiht. Der Qualm aus der Lunge des Kettenrauchers Harbi umgibt die beiden Männer mit den grauen Schleiern geteilter Geheimnisse.

Omar Souleyman gibt am Freitag, den 13. August sein einziges Deutschland-Konzert in diesem Jahr. Es findet im Rahmen des jährlichen Wassermusik-Festivals am Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Ein Tor, wer diese Gelegenheit zur Mitwisserschaft ungenutzt verstreichen ließe.

4 Kommentare

  1. O.o Wie krass ist DAS denn? Ich hab durch das Video jetzt ne Überdosis an schnellen Rhytmen und FARBEN….ich muss zum neutralisieren jetzt mal 5 Minuten in den grauen Regen starren :)
    Tolle Sache auf jeden Fall!

  2. Pingback: popkontext | Omar Souleyman im Haus der Kulturen der Welt Berlin am 13.8.2010

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