Sandrine Estrade: Die Kunst liegt uns nicht nur zu Füßen



 

Wer kennt das nicht? Ein sonniger Tag im Park und man liegt mit Freunden auf einer Wiese/Strand und bildet bizarre Geschöpfe und Gesichter in der zufälligen Wolkenkonstruktion, welche gerade vorbei schwebt. Ich habe das schon oft erleben dürfen und habe dann natürlich versucht, mit meinen Leuten durch zappliges Gestikulieren von Armen/Händen/Fingern sowie aufwendigen Beschreibungen meine Entdeckung zu teilen, bevor „es“ außer Sichtweite hinter den Baumwipfeln verschwindet.

Ebenso kneife ich oft ein Auge zu, wenn ich morgens im Bett liege und in den wilden Mustern meines kitschigen Schlafzimmervorhanges Gesichter und andere Monstrositäten aufzähle und mich dann frage, ob ich sie alle am nächsten Morgen wiedersehen werde. Ein Grund mehr, diesen Vorhang nicht mit einem schlicht-schönen Modell eines bekannten schwedischen Einrichtungskonzerns einzutauschen.

Einen Blickwinkel wie diesen braucht wohl auch die französische Künstlerin Sandrine Estrade Boulet um in einem uns nicht unbekannten, alltäglichen Stadtbild ihre Motive für ihre Fotostrecken zu finden. Der besondere Clou: nicht durch Hilfe von Photoshop, sondern durch einen ausgefeilten Umgang mit Kreide, Bastelpapier und Farbe macht sie einigen Fußgängern und nicht zuletzt die Betrachter Ihrer Arbeiten auf den „zweiten Blick“ aufmerksam, welcher wesentlich interessanter und optimistischer wirkt als der uns bekannte. Dieser mag auch bisweilen etwas kindlich angehaucht sein, aber wollten wir nicht genau DAS nie ganz verlieren? In der fabelhaft anmutenden Welt der Sandrine Estrade Boulet wird aus einem alten Bügelbrett am Straßenrand ein blauer Schmetterling und aus bröckelnden Wandputz ein spazierender Pfeifenraucher oder ein tanzendes Skelettmännchen.

Also wenn ich das nächste Mal an Bushalte einen überquillenden Mülleimer betrachte oder mich auf dem Weg zur Arbeit an einer Sperrmüllsammlung vorbei schlängle, werde ich ein Auge zukneifen und vielleicht etwas entdecken, was meinem sonst gesellschaftlich geprägten Blick der allgemeinen Ordnung verwehrt geblieben wäre und lächelnd an Sandrine Estrade Boulet denken.

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