
Zur diesjährigen Bread & Butter Berlin nutzten wir die Gelegenheit, die beiden Gesichter hinter Ben Sherman kennen zu lernen. CEO Pan Phillippou und Creative Director Mark Maidment nahmen sich Zeit, um uns die tonangebenden Einflüsse ihrer Marke näher zu bringen.
Ein spannenderer Mix: Schließlich blickt das britische Label seit den 60ern auf eine steile Geschichte zwischen aktiver Jugendkultur, musikalischer Bewegungen und traditioneller Mode. Ferner war klar: “Das wird ‘ne interessante Runde”. Im Interview sprach i-ref Redakteurin Isabelle mit den beiden über Subkulturen, wie die der Mods, die Einflüsse von Fixed Gear Bikes, sowie über die Bedeutung der Wirtschaftskrise für das britische Modeunternehmen.
Heraus kam ein 30-minütiges Gespräch mit zwei äußerst lockeren, gut gelaunten Herren, die uns nicht nur spannende Antworten lieferten, sondern denen ihr Job sichtlich viel Spaß bereitet.
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i-ref: Könnt ihr für einige unserer Leser kurz zusammenfassen, was eure Marke und ein typisches Ben Sherman Kleidungsstück ausmacht?
Mark Maidment: Es gibt mehrere Dinge, die uns gleichermaßen aus- und sehr stolz machen: Da wäre z.B. der britische Stil und seine lange Geschichte. Wir hatten das Glück, von Anfang an eng mit der englischen Modekultur, wie den Mods, verknüpft zu sein – das ist für uns heute noch sehr wichtig. Nicht zwingendermaßen der modische Stil, sondern ihr Spirit und ihre Einstellung sind das, was uns bis heute beeinflusst. Damals waren Musik und Mode für sie das Wichtigste – wir haben diese Kombination aus den 60ern mitgenommen.
Um es auf den Punkt zu bringen, würde ich sagen, dass wir britische Attitüde mit der Idee der Mod-Kultur verbinden, und diese auf ein modernes Level bringen.
i-ref: Ben Sherman bleibt seinen Wurzeln treu und konzentriert sich gleichermaßen auf Innovation. Worin liegt das Geheimnis?
Mark Maidment: Wir setzen auf junge Designer. Diese Jungs und Mädels verstehen und ehren die Geschichte. Es geht ihnen aber eher darum, die Zukunft zu gestalten. Ihr Vorteil: sie haben unglaublich viele Dinge, auf die sie zurückgreifen können und verknüpfen diese mit ihrem momentan relevanten, persönlichen Stil.
Des Weiteren ist es wichtig, einen Stil stets als Ganzes zu betrachten. Es geht schließlich immer um den kompletten Look. Einzelne verrückte Kleidungsstücke sind toll, aber helfen dem Gesamtkonzept nicht. Man muss sich ein Outfit anschauen können und denken: Ja, das sieht sehr Englisch aus. Ja, ich sehe die Mod-Kultur. Und ja, ich sehe auch frische, moderne Einflüsse.
i-ref: Ben Sherman ist geprägt von Musik und Jugendkultur. Was denkt ihr, prägt das Label im 21. Jahrhundert? Werden diese Einflüsse ausschließlich dem englischen Lande entspringen?
Pan Phillippou: Mod wird uns künftig beeinflussen – jemand wird uns beeinflussen – irgendwer sticht immer aus der Masse heraus. Als ich noch zur Schule ging, gab es diesen einen Typen. Er war eine Ikone: super angezogen, jeder schaute ihn an und sah, dass alles durchdacht war. Und genau dieser eine Typ – „Peacock“, wie wir ihn nennen – ist nicht nur der, den wir gerne ausstatten, sondern der, der auch täglich unsere Arbeit beeinflusst.
Mark Maidment: Beim Entwerfen unserer Kollektionen denken wir gerne daran, den „leader of the pack“ anzuziehen. Hierbei geht es nicht vordergründig darum, was, sondern wie er es trägt, um jemanden, der diese rebellische Attitüde verkörpert . Diese Kultur, die grundlegende Einstellung modeaffiner Menschen, gut aussehen und experimentieren zu wollen, wird es immer geben. Ich denke, dass die Einflüsse aus der Vergangenheit, die modernen Looks der Gegenwart und unsere Risikobereitschaft, das sind, was uns antreibt und uns immer wieder neu erfinden lässt.
i-ref: Ihr arbeitet aktuell mit Musikern und Bands, wie Paul Weller oder Madness zusammen. Können wir in der Zukunft weitere Kooperationen erwarten?
MM: Ehrlich gesagt, nein. Und ich erkläre dir auch warum. Wir haben in der Vergangenheit viele tolle Kollaborationen realisiert, wie du bereits sagtest, z.B. mit Paul Weller. Seine Kollektion war unglaublich. Er hat diese detailverliebte Art und eine unglaubliche Leidenschaft für das, was er tut. Das gleiche gilt auch für Madness. Aber als Pan Anfang dieses Jahres an Board kam, entschieden wir gemeinsam, uns auf das zu konzentrieren, was uns am wichtigsten ist: Ben Sherman weltweit zum „King of Shirts“ zu machen. Und da wir uns momentan nicht ablenken lassen wollen, finden vorerst keine großen Kollaborationen mit Musikern statt.
PP: Wir werden natürlich künftig mit der Musikszene weiterhin eng vernetzt bleiben. Doch werden wir uns in der Zukunft auf das eigentliche Produkt konzentrieren und Ben Sherman wieder als Marke für sich selbst sprechen lassen.
i-ref: Sprechen wir über Musik im Allgemeinen: Welche Rolle spielt sie in Kombination mit Ben Sherman?
MM: Musik und Mode sind wie Bruder und Schwester. Das ist so, das bleibt so. Jedoch sind wir im Gegensatz zu früher an moderneren musikalischen Einflüssen interessiert, anstatt weiterhin auf die musikalische Retrospektive zu setzten. Zum Beispiel gründeten wir das Projekt “UNSIGNED”, das unbekannte und labellose Bands unterstützt. Demnach werden wir auch weiterhin mit Musik stark vernetzt sein.
PP: Es ist unsere DNA. Die DNA von Ben Sherman wächst aus der Musik. Darum haben wir z.B. das Plektrum als eines unserer Logos. Es ist wie ein Bündnis, ein aufrichtiges Bündnis mit der Musik. Dabei übertragen wir nicht einfach Ben Sherman auf das Musikgenre, sondern existieren als Teil der Musikgeschichte. Eine Liste von Menschen, die unsere Marke tragen, geht zurück bis in die 60er Jahre. Nun wollen wir den Blick nach vorne richten.
i-ref: Gibt es neben der Musik weitere Einflüsse (Sport, Design, Architektur oder Film) aus der kontemporären Kultur, an denen sich Ben Sherman orientiert und welche inspirieren?
MM: Ja, natürlich. Gegenwärtig ist in unserem Londoner Design Studio beispielsweise die Fahrradkultur tonangebend. Manchmal komme ich zur Arbeit und sehe alle um ein Fixed Gear Bike versammelt. Dann reden sie ewig über die Schönheit des Rades. Egal ob bewusst oder unterbewusst, dieser ganze Lifestyle beeinflusst unsere jungen Designer. Folglich macht sich dies auch in unserer Mode bemerkbar. Diese resultiert in vielerlei Hinsicht aus dem persönlichen Geschmack und dem Interesse unserer Designer. Interior Design, Literatur, all das prägt sie. Jedoch ist Musik noch immer der größte Einflussfaktor.
i-ref: Greifen wir erneut die Mod Bewegung auf. Der Look, die Vespas, all das kommt zu großen Teilen aus italienischen Filmen: Wie italienisch ist Ben Sherman?
MM: Unsere Designer fahren um die ganze Welt. Sie gehen nach Tokio, New York City oder Mailand. Unsere Einflüsse sind nicht nur italienisch, sie haben einen globalen Twist. Trotzdem lieben wir die Tatsache, dass Italiener unsere Hemden sehr schätzen. Sie sind nun einmal die Nation der Hemden. Daher mag es ein wenig komisch sein, dass wir Engländer den Italienern Hemden zurück verkaufen. Ben Sherman läuft in Italien sehr gut und natürlich hat dies definitiv einen großen Einfluss auf unsere Mode. Dennoch ist unser Stil international mit einer englischen Note – schließlich sind wir fast alle britisch und arbeiten auch dort.
PP: Wir senden Gruppen von Designern auf Erkundungstrips um die ganze Welt. Jede Stadt hat diese Szene von Typen, die Modernisten, die coolen Jungs. Sie sprechen vielleicht nicht alle die gleiche Sprache, aber sie verstehen sich. Sie haben die gleiche Authentizität.
i-ref: Der Herbst steht vor der Tür. In welche Richtung geht Ben Sherman mit den aktuellen Kollektionen? Was wird uns erwarten?
MM: Neben der Madness Kollektion, über die momentan viel geredet wird, haben wir diese Saison einfach eine starke, runde Linie. Unser Slogan für den Herbst ist “THE BEAT GOES ON”, angelegt an „The Show Goes On“. Die Beobachtung des kreativen Schaffensprozesses in Zeiten der Wirtschaftskrise beweist, dass umso härter gearbeitet wird, wenn alles unsicher scheint. Einige der besten Marken und besten Musiker entspringen solch sorgenreichen Zeiten. Menschen werden kreativer – das können wir sehen und fühlen. Für unsere Kollektion nutzen wir die 50er Beatnik Einflüsse. Grobe schwere Oberbekleidung, mit natürlichem Look, die aussieht, als sei sie „Homemade“. Es soll sich so anfühlen, wie das Wohlfühlessen bei dir Zuhause. Wir haben nun Wohlfühl-Kleidung hergestellt. Du ziehst sie an und fühlst dich zufrieden und sicher.
i-ref: Vielen Dank für das Interview.

interessant, lesenswert, sympatisch – kann man sich einen besseren partner vorstellen?
ich bin beeindruckt!
Sehr sympatisch die beiden.
Ich mochte die Marke schon davor, aber wenn man mal weiß, wer dahinter steckt und sie dann auch noch so sympatisch sind, dann fühle ich mich bestätigt die richtige Wahl im Store getroffen zu haben!
Danke für den netten Einblick!
Sehen sehr sympatisch aus, die beiden. Ich mag den Sherman-/Mod-Stil sehr, finde aber, dass es für Frauen meist eine zu kleine Auswahl in dem Bereich gibt, zumindest im Laden. So hat der Ben-Sherman-Laden in Mitte die Frauenkollektion komplett gestrichen. Vielleicht könnt ihr bei den Herren ein gutes Wort einlegen, dass sie dort wieder eingeführt wird!
Kein Ding Nina: Ich schnacke kurz mit Mark und Pan, dann wird weltweit das Herren- mit dem neuen, erweiterten Frauangebot ausgetauscht.
—- Jedoch ja: Gebe zu, mehr Angebot für Herren. Doch sei es uns vergönnt, zur Ausnahme mal ein Label, wo nicht das typische 4:1 Verhältnis herrscht
Oh…Frau Pohl auf Schmusekurs fürs Foto
liest sich geschmeidig und überraschend sympathisch weg!! Tolle Arbeit!!
@Norman: Jaa, ihr sollt ja auch gut aussehen!!