China: Zensur, Smog und andere Vorurteile

Land: China

Immer wieder hört und liest man in den westlichen Medien von politisch verfolgten Chinesen, die aus den absurdesten Gründen scheinbar spurlos verschwinden, tödlich verunglücken oder weggesperrt werden. Leider ist dies keine Medienspinnerei sondern trauriger Alltag. Was in demokratischen Rechtstaaten als selbstverständlich gilt – geistige Selbstverwirklichung, Gewissens- und Religionsfreiheit, politische Selbstverwirklichung, Meinungs-, Versammlungsfreiheit – wird in der Volksrepublik China gar nicht gern gesehen.

Allein die Tatsache, dass die Sching-schang-schong Zensursula, sämtliche Medieninhalte kontrolliert und Internetseiten wie Facebook, WordPress oder ähnliche Web 2.0 Inhalte komplett sperrt, macht erschreckend deutlich, wer hier das Sagen hat. Findige Jungchinesen finden zwar ihre Wege um diese neumodischen und höchst gefährlichen Medien zur Meinungsbildung zu konsumieren, dennoch ist Vorsicht geboten. Denn es kann ganz schnell ungemütlich werden, wenn rauskommt, dass man aus der gern präsentierten Paradereihe heraus sticht.

Was jedoch einwandfrei, auch nach dem Etikettekurs zur Olympiade, funktioniert und nahezu ruhelos und vor allem freiwillig betrieben wird, ist das Rotzen, Drängeln und Füße schlurfen. Es hat sicher einige gesittete Versuche gedauert, bis auch wir uns am Ticketschalter an der Drängeltechnik versucht haben, letztlich hatten wir aber einen entscheidenden Vorteil: unsere Größe.

Diese hat uns im Straßenverkehr allerdings kein Stück weiter gebracht. Fußgänger haben niemals Vorfahrt. Nicht selten haben wir verzweifelt versucht Straßen zu überqueren und sind genau in der Mitte nicht mehr weiter gekommen, während der Verkehr um uns herum in vollem Tempo weiterfuhr. Den Spruch Mut zur Lücke würde hier sicher niemand verstehen, denn wo sich eine Lücke auftut wird sie umgehend okkupiert. Als Fußgänger ist man gut beraten alle Sinne zu schärfen, sich gute Laufschuhe mit rutschfester Sohle unter die Füße zu schnallen und sich dann in einer Sprint-Sprung-Attock-Stopp-Technik über die Straße zu manövrieren.

Weitere zu bestätigende Vorurteile über China sind der fürchterliche Smog, der selbst vor winterlichen Temperaturen kein Halt macht – schon nach wenigen Tagen sind wir Stolze Besitzer von Atemschutzmasken. Die Angst bereits in den ersten Wochen unserer Reise unheilbar an Lungenkrebs zu erkranken hat uns zu diesem Schritt getrieben. Ein weiteres Phänomen ist die scheinbar völlig unbekannte Andersartigkeit von nicht Asiaten – wir sind hier zu wahren Stars avanciert und Teenager rufen uns verschmitzt ein wackeliges “hello” entgegen, halten sich dann aber kichernd die Hand vor den Mund. Ich kann wirklich nicht mehr sagen auf wie vielen Handys und Kameras ich bildhaft festgehalten wurde – wir konnten kaum eine Sehenswürdigkeit in Ruhe anschauen ohne selbst zu einer zu werden.

6 Kommentare

  1. Ich bin im Oktober für 10 tage in Shanghai und werde mich über bestehende Vorurteile und Klischees erkundigen….auch über uns Deutsche^^
    i-ref wird natürlich informiert ;)

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