Jeder Mensch hat eine Phase im Leben, in dem ihm zum ersten Mal tatsächlich bewusst wird, dass er vergänglich ist. Dass die Zeit gegen ihn spielt. Dass er alt wird! Für mich war diese Zeit gekommen, als ich mit gerade mal Anfang 30 die Agenturälteste war und mich mit wesentlich jüngeren Kolleginnen konfrontiert sah, die über die ersten Falten, die Angst, nicht mehr knackig genug zu sein, und den „totalen Horror“, in ein paar Jahren 30 – in Worten Dreißig!! – zu werden, lamentierten. Eben hält man sich noch für blutjung, am Anfang des Lebens, und zack, schon wird man unter „ferner liefen“ gehandelt. Aber ich will es nicht nur auf mein VERDAMMT JUNGES Umfeld schieben, dass mich im vergangenen Jahr eiskalt die erste Alterskrise erwischt hat.
Während andere den eigenen Altersprozess oft schon seit dem 18. Geburtstag mit Argusaugen beobachten und irgendwie besser auf den persönlichen Zerfall vorbereitet zu sein scheinen, habe ich es einfach nicht kommen sehen. Jahrzehntelang hatte ich gegen das familienstrukturell bedingte Image der „Kleinen“ angekämpft und mein ewiges Babyface verflucht. Und auf einmal, von einem Tag auf den anderen, wendet sich das Blatt: von „zu jung“ zu „zu alt“. Irgendwie hatte ich die Phase dazwischen verpasst. Eben noch überall die Jüngste, jetzt schon die Omma. Bei der Arbeit, beim Weggehen, im Bekanntenkreis. Eben noch die coolen älteren Typen für unerreichbar gehalten, jetzt schon außerhalb der Alterszielgruppe von Männern, die man selbst eigentlich ganz gut fände.
Fast noch härter als die Konfrontation mit den Jüngeren ist jedoch die Begegnung mit den Gleichaltrigen. Menschen in den 30ern: erste graue Haare, kahle Köpfe, Kochen statt Tanzen, Kinder, Ehen, perfekte Wohnungen, Geschäftsführerpositionen. Was ist passiert? Geschichte wird gemacht, es geht voran. Ist die Angst vorm Älterwerden nur die Angst, nicht voran zu kommen? Sind es die Falten, die gekommen sind, um zu bleiben, die einen stören, oder vielmehr der zunehmende Druck, das eigene Leben in neue Bahnen zu lenken? Wenn nicht jetzt, dann nie. Kinder. Karriere. Wenn nicht jetzt, dann nie. Vielleicht. Oder auch nicht.
In einer Talkshow mokierte sich kürzlich die wunderbare Christiane Hörbiger über 40-jährige Kolleginnen, die befürchteten, keine Rollen mehr zu bekommen. „Lächerlich!“ Und Recht hat sie. Dennoch, ist man erst mal in einer kleinen Alterspanik drin, sieht man vieles anders. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, nicht unendlich viel Zeit zu haben. Als würde mir mein Leben durch die Finger rinnen. Als wäre ich morgen 40, übermorgen 60 und somit fast schon tot. Als ich mal Iris Berben im Fernsehen sah, erwischte ich mich bei dem Gedanken: „Mensch, dass die noch die Energie hat, überhaupt aus dem Bett aufzustehen, wo sie doch quasi schon mit einem Bein im Grab steht.“ Das war keine Alterspanik mehr, das war eine Altersdepression!
Letztendlich herausgerissen aus diesem Tal der Tränen wurde ich vor einigen Wochen durch eine unschuldig gestellte Frage, die mir mindestens 3 neue Lachfalten, meinen anwesenden Freunden circa 3 neue Sorgenfalten bescherte. „Ist das eure Tochter?“ Die Frage, gestellt von einer offensichtlich nicht ganz bei Sinnen seienden Frau, ging an meine gleichaltrigen Freunde, nennen wir sie Christoph und Silke. Bei der potentiellen Tochter handelte es sich um mich. Die komplette Absurdität der Situation änderte nichts daran, dass ich die nächsten 24 Stunden immer wieder von unkontrollierten Lachanfällen heimgesucht wurde.
Inzwischen habe ich meine erste (sicherlich nicht letzte) Alterskrise überwunden. Es ist, wie es ist, wir müssen das Leben nehmen, wie es kommt. Wir haben nicht die Wahl, wir können nur das Beste daraus machen.
Nina Koch, Jahrgang 1975

Danke……danke….danke
Gianna Nanini!
Norman Röhlig, Jahrgang 1981. Gefühlt: 1961
GREAT NINI. Im Grunde bist du meine Tochter =)
…ganz schön frühreifer Papa!
656
Mein erstes graues Haar kam schon mit 23. Scheinbar trifft das Frauen härter. Als Mann ist man nur dankbar, dass man von ner Glatze verschont bleibt.
Ein herzliches Dankeschön an die coolste Ü30-Jährige, die ich kenne, für den schönen Artikel!